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Portugal könnte eine chinesische Autofabrik von BYD anziehen – CALB in Sines als Treiber

Weisser elektrischer Sportwagen in modernem Showroom mit Hafen und Windrädern im Hintergrund.

Portugal könnte schon bald eine Autofabrik einer chinesischen Marke anziehen – eine Idee, die zunehmend an Dynamik gewinnt. In einem Interview mit CNN Portugal sagte Zhao Bentang, Chinas Botschafter in Portugal, dass Marken wie BYD "Ideen" hätten, "in Portugal zu investieren". Damit spielte er klar auf die Option an, industrielle Produktionsstandorte im Land aufzubauen.

Entscheidend ist dabei zunächst ein Begriff: Montage. Laut dem Diplomaten beginnt das Interesse chinesischer Hersteller beim assembling, also bei der Fahrzeugmontage in Portugal. Gleichzeitig deutete er an, dass das Potenzial weit über reine Endmontage hinausgeht: "China will auch mit Europa zusammenarbeiten – nicht nur, um zu verkaufen, sondern um zu lernen, um einen gegenseitigen, beidseitigen Nutzen zu erzielen", betonte Zhao Bentang.

Diese Aussagen fallen in eine Phase, in der Europa die Praktiken chinesischer Marken und der Regierung in Peking stärker prüft. In Brüssel laufen Untersuchungen zu staatlichen Unterstützungen und zu mutmasslich unfairem Wettbewerb.

Eine Autofabrik im Fahrwasser der Batterien

Ein fehlendes Puzzleteil könnte in Sines bereits Gestalt annehmen. CALB (China Aviation Lithium Battery), einer der grössten chinesischen Batteriehersteller, investiert zwei Milliarden Euro in eine Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien in Portugal. Es handelt sich um die grösste private Investition, die das Land je gesehen hat – und sie übertrifft damit Autoeuropa, das diesen Rekord über mehr als 30 Jahre gehalten hatte.

Die Anlage soll 2028 in Betrieb gehen. Vorgesehen ist eine Produktionskapazität von 15 GWh pro Jahr, was ungefähr 187'000 Batterien entspricht. Zu den Abnehmern von CALB zählen unter anderem Smart, XPeng, Leapmotor, NIO, Honda und Volvo. Genau diese industrielle Basis könnte Portugal für chinesische Autobauer noch attraktiver machen.

"Wir haben uns entschieden, unsere Gigafabrik in Portugal anzusiedeln, weil das Land strategische Vorteile bietet, die portugiesische Wirtschaft ein starkes Potenzial hat und qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar sind", sagte Liu Jingyu, Präsident von CALB, gegenüber der Zeitung Expresso.

Die Autoeuropa der neuen Welle?

Der Vergleich mit Palmela drängt sich auf. Als Autoeuropa in den 1990er-Jahren startete, entwickelte sich das Werk zu einem der wichtigsten Exportmotoren Portugals und zog ein industrielles Ökosystem in der Umgebung nach sich. Nun könnte die Kombination aus einer Autofabrik und einer Batterie-Gigafabrik die Geschichte wiederholen – diesmal jedoch mit chinesischer Handschrift und klar elektrischem Fokus.

Zumal der Botschafter die Ausgangslage der chinesischen Industrie so beschreibt: "China hat Autos, hat Batterien, hat Technologie, hat eine sehr vollständige Lieferkette – und das hilft, günstigere Preise zu erreichen." Im Moment seien es zwar, wie Zhao Bentang selbst unterstreicht, "nur Ideen" – doch das Interesse sei beidseitig.

Unabhängig davon ist der Schub für private Investitionen in Portugal real. Die Regierung treibt ihn aktiv voran – abgestimmt mit europäischen Institutionen und über verschiedene nationale Instrumente, darunter Organisationen wie AICEP und die Portugiesische Förderbank.

Die CALB-Fabrik in Sines sowie der Erfolg von Autoeuropa im internen Wettbewerb um das günstigste Elektrofahrzeug von Volkswagen sind zwei aktuelle Beispiele dafür, wie stark Portugal derzeit privates Kapital anzieht.

Appell an Europa

Gleichzeitig ist auch eine Warnung formuliert worden: "Wir hoffen, dass die europäischen Regierungen – und die portugiesische – chinesische Unternehmen fair und ohne Diskriminierung behandeln können", sagte Zhao Bentang. Damit bezog er sich direkt auf Handelsbarrieren, die die chinesische Expansion im europäischen Markt bremsen. Eine Gleichbehandlung, die die Regierung in Peking westlichen Unternehmen, die nach China expandierten, lange nicht in vergleichbarer Form zugesichert hat: Mit Ausnahme von Tesla mussten alle Autobauer, die in China Werke errichten wollten, zwingend einen lokalen Partner einbinden.

Mit Blick auf Portugal gilt: BYD treibt bereits eine Fabrik in Ungarn voran und baut gleichzeitig Logistikzentren in Europa aus – Portugal steht damit klar auf dem Radar. Und wenn sich in Sines eine Liefer- und Exportkette etabliert, wäre eine chinesische Autofabrik im Land nicht mehr bloss "eine Idee", sondern ein Vorhaben mit industrieller Traktion.


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