Die BYD-Fabrik in Szeged (Ungarn) – ein Investment von vier Milliarden Euro – soll 2026 mit der Produktion starten, jedoch in einem deutlich langsameren Tempo als ursprünglich vorgesehen.
Wie mehrere mit dem Betrieb vertraute Quellen gegenüber Reuters erklären, will die chinesische Marke im ersten Jahr lediglich „einige Zehntausend Einheiten“ bauen. Das liegt klar unter der installierten Kapazität von 150 00 Fahrzeugen pro Jahr. Auch 2027 dürfte die Auslastung weiterhin hinter den früheren Plänen zurückbleiben.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Nachfrage nach Elektroautos in Europa zwar dieses Jahr anzieht, insgesamt aber weiterhin unter den Erwartungen liegt. Zusätzlich sorgt ein unsicheres Umfeld zusammen mit hohen Energie- und Lohnkosten dafür, dass mehrere chinesische Hersteller ihre Europa-Investitionen neu bewerten.
Dabei gilt: Wer Elektroautos in Europa fertigt, kann zusätzliche Zölle umgehen, die die Europäische Union (EU) auf in China produzierte E-Autos erhoben hat. BYD ist davon direkt betroffen – mit einem zusätzlichen Zoll von 17% auf den regulären Satz von 10%.
Eine Alternative namens Türkei
Während die Produktion in Ungarn schon vor dem eigentlichen Start gedrosselt wird, zieht BYD seine Pläne für die neue Fabrik in der Türkei – ausserhalb der EU – vor und weitet sie zugleich aus. Für das Werk sind Investitionen von fast einer Milliarde Euro vorgesehen.
Diese Ausrichtung stützt sich vor allem auf tiefere Arbeitskosten. Ausserdem ist die Türkei im Automobilbau etabliert: Toyota, Ford, Stellantis, Hyundai oder Renault betreiben dort Werke – teils seit vielen Jahrzehnten.
Für BYD könnte damit die Türkei und nicht Ungarn zur strategischen Basis für die Fertigung von Elektroautos und Plug-in-Hybriden für den europäischen Markt werden. Zusätzlicher Vorteil: Fahrzeuge aus türkischer Produktion unterliegen nicht den zusätzlichen EU-Zöllen.
Welche Modelle wird BYD in Europa produzieren?
Mehrere BYD-Modelle gelten bereits als Kandidaten für die europäische Fertigung, eine endgültige offizielle Bestätigung steht jedoch noch aus. Im ungarischen Werk dürfte die Produktion von Atto 2, Atto 3 und Dolphin Surf anlaufen – alle drei rein elektrisch.
In der Türkei ist die Modellpalette breiter geplant und umfasst Elektro- sowie Plug-in-Hybridfahrzeuge: Seal U (elektrisch) und Seal U DM-i (Plug-in-Hybrid), Sealion 5 (elektrisch und Plug-in-Hybrid) sowie der Seal 06 DM-i (Plug-in-Hybrid).
Strategische Fehler korrigieren
Die erneute Anpassung der BYD-Industriestrategie für Europa folgt auf eine Restrukturierung der europäischen Aktivitäten, die anfangs von mehreren strategischen Fehlentscheiden geprägt waren. Dazu zählten unter anderem ein schwacher Aufbau des Händlernetzes sowie die fehlende Rekrutierung von Führungskräften mit fundierter Kenntnis des europäischen Markts.
Trotzdem gewinnt BYD in Europa mit seinen Elektroautos – und seit Kurzem auch mit Hybriden – an Boden. S&P Global Mobility rechnet damit, dass BYD 2025 in Europa rund 186 00 Fahrzeuge verkauft, mehr als doppelt so viele wie die 83 00 Fahrzeuge im Jahr 2024.
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