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Europäische Kommission lockert 2035-Emissionsziel: Verbrennungsmotor bleibt – AFIA sieht Entlastung für Portugals Komponentenindustrie

Ein Ingenieur testet elektrische Fahrzeugkomponenten in einer Werkstatt mit Fahrzeugrahmen im Hintergrund.

Der Rückzug der Europäischen Kommission (EK) bei der Vorgabe, die Emissionen ab 2035 zu 100% zu senken – womit der Verbrennungsmotor weiter möglich bleibt –, hat in der europäischen Autobranche sowie in der portugiesischen Komponentenindustrie spürbar für Erleichterung gesorgt. Wäre das Ziel unverändert geblieben, wären die portugiesischen Exporte und die Unternehmen des Sektors nach Einschätzung der Branche „stark benachteiligt“ worden.

Beschluss der Europäischen Kommission (EK) zu den Emissionszielen 2035

Am 16. Dezember teilte die Europäische Kommission (EK) mit, dass die Zielsetzung einer Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen (CO₂) um 100% bis 2035 gestrichen wird. Stattdessen soll bis 2035 eine Reduktion von 90% gegenüber dem Niveau von 2021 erreicht werden.

Die Anpassung erfolgt als Reaktion auf die von der Industrie geäusserten Schwierigkeiten: Die Verkäufe von Elektroautos liegen deutlich unter den Erwartungen. Zwischen Januar und Oktober betrug der Marktanteil lediglich 16,4% (Quelle: ACEA), obwohl er bereits bei rund 30% liegen sollte. Damit sei es aus Sicht der Branche nicht realistisch, die von der EU gesetzten Emissionsziele einzuhalten. Laut José Couto wird die neue Zielvorgabe die Nutzung von Materialien mit kleinerem ökologischem Fussabdruck begünstigen und Investitionen in Technologie sowie in Forschung und Entwicklung vorantreiben.

Auswirkungen auf Portugals Komponentenindustrie und Exportleistung

José Couto, Präsident der AFIA – Verband der Hersteller für die Automobilindustrie, erklärte gegenüber ECO, dass die ursprüngliche Vorgabe, ausschliesslich Elektrofahrzeuge zu produzieren, einer „Selbstbestrafung“ gleichgekommen wäre – für die gesamte Industrie und ebenso für Europa.

„Die Komponentenunternehmen wären stark benachteiligt und müssten sehr grosse Investitionen tätigen, um sich an die neuen Anforderungen anzupassen“, sagte er. Im vergangenen Jahr machte die Automobilzulieferindustrie 15,4% der portugiesischen Exporte an handelbaren Gütern aus; das entsprach 12,2 Milliarden Euro – ein erheblicher Beitrag zur Handelsbilanz.

Auch die kurzfristigen Perspektiven bleiben angespannt: Im letzten Monat prognostizierte Jorge Castro, Vizepräsident der AFIA, für 2025 eine „leichte Verlangsamung“ beim Verkauf portugiesischer Automobilkomponenten. Den Projektionen zufolge dürfte der Sektor das Jahr mit einem Umsatz von 14,2 Milliarden Euro abschliessen, was einem Rückgang von 1,4% gegenüber 2024 entspricht. Die Exporte sollen nachlassen und von 12,2 Milliarden Euro im letzten Jahr auf 11,7 Milliarden Euro in diesem Jahr sinken – ein Minus von rund 4%.

Europäisches Automobilpaket: Batterien, E-Autos und Unternehmensflotten

Das neue europäische Automobilpaket umfasst zudem Unterstützungsmaßnahmen für die Batterieproduktion sowie Anreize für die Einführung von Elektrofahrzeugen. Hinzu kommen neue Regeln für Unternehmensflotten; ausserdem soll die Fertigung von Komponenten mit geringerem Umwelteinfluss gefördert werden.

Aus Sicht des AFIA-Präsidenten tragen diese Elemente dazu bei, den Innovationsdruck mit der wirtschaftlichen Realität der Branche in Einklang zu bringen – und sichern, dass Portugal weiterhin Teil der europäischen automobilen Wertschöpfungskette bleibt.

Andere Meinungen

Weitere Akteure der Branche vertreten eine ähnliche Position. Rodrigo Ferreira da Silva, Präsident des Nationalverbands des Automobilgewerbes (ARAN), bezeichnet die Flexibilisierung durch die EU als eine „Anpassung an die Realität“, um unerreichbare Ziele in sehr kurzen Zeiträumen zu vermeiden.

Der Automobilverband Portugals (ACAP) betont, dass der europäische Entscheid den Herstellern mehr Sicherheit und Spielraum gibt, um die Klimaziele zu erfüllen, und zugleich schwere finanzielle Sanktionen verhindert.

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