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Jeff Bezos will mit Project Prometheus und KI die Industrie für 100 Milliarden Dollar automatisieren

Mann in Fabrik mit Industrieroboterarm und digitaler 3D-Projektion «digital twin» auf Monitor.

Ein neuer KI-Plan, bei dem Fabrikarbeiter kaum vorkommen

Der Milliardär will die Industrie angeblich mit KI retten, indem er ein neues, vollautomatisiertes Imperium aufbaut. Die Menschen an den Werkbänken und Maschinen stehen dabei jedoch nicht wirklich im Zentrum des Vorhabens. Überraschend, oder?

Der Mann, der mit Amazon erst Buchhandlungen und danach grosse Teile des Detailhandels unter Druck gesetzt hat, scheint sein nächstes Ziel gefunden zu haben: die weltweite Fertigungsindustrie, die er sich genüsslich einverleiben will. Dafür setzt er auf zwei Hebel. Erstens auf sein 2025 gestartetes KI-Start-up Project Prometheus, das Modelle entwickeln soll, die Fabriken automatisieren. Zweitens auf einen Investitionsfonds über 100 Milliarden Dollar, der gerade eingesammelt wird, um passende Unternehmen aufzukaufen und ihnen die mit dem Start-up entwickelten Technologien zu übertragen.

Bei einem so eigenwilligen wie brillanten Kopf wie Jeff Bezos muss man kein Militärstratege sein, um zu ahnen, wohin das führt: Fabriken bis aufs Letzte durchautomatisieren – und sich dabei höflich bei allen bedanken, die dort bisher gearbeitet haben.

Jeff Bezos, 62, kann nicht aufhören

Bezos führt Project Prometheus gemeinsam mit Vik Bajaj, früher bei Google Life Sciences. Offiziell ist es sein erstes Comeback in der Rolle eines CEO, seit er 2021 die Führung bei Amazon abgegeben hat – aber dass jemand seines Kalibers einfach wie jeder andere in den Ruhestand verschwindet, war ohnehin kaum zu erwarten.

Mit einem derart grossen Betrag auf dem Tisch liegt nahe, dass er viele Werke in sehr unterschiedlichen Branchen übernehmen möchte. Solche Betriebe einzeln und Schritt für Schritt zu modernisieren, wäre praktisch unmöglich – genau deshalb ist Prometheus als technischer Motor in den Plan integriert.

Digitale Zwillinge: Umbau simulieren, bevor der Kauf passiert

Die Firma arbeitet derzeit an sogenannten digitalen Zwillingen: Noch bevor eine Fabrik gekauft wird, erstellen KI-Modelle eine exakte virtuelle Kopie und spielen die komplette Umgestaltung als Simulation durch. Wie TechStartup erklärt, soll die Technik abbilden, „wie sich physische Systeme unter unterschiedlichen Bedingungen verhalten, von der Materialbeanspruchung bis zur Anordnung der Fabriken“.

Damit steht – sobald die Übernahme vertraglich fix ist – der Automatisierungsplan bereits fest.

100 Milliarden Dollar: Welche Branchen Bezos ins Visier nimmt

Laut der Finanzanalyse-Plattform GuruFocus: „Der Fonds zielt darauf ab, Branchen wie die Chipfertigung, die Verteidigung und die Luft- und Raumfahrt zu transformieren“. Das sind stark regulierte und oft träge Industrien – und damit, aus Sicht eines bestimmten Investorentyps, geradezu erschreckend „unteroptimiert“.

Geld aus dem Ausland – und die offene Frage nach den Jobs

Um die 100 Milliarden Dollar einzusammeln, soll Bezos laut Financial Times mit Verantwortlichen von Staatsfonds im Nahen Osten gesprochen haben, darunter die Abu Dhabi Investment Authority, und zudem Singapur besucht haben. Vermutlich, um sicherzustellen, dass staatliche Petrodollar-Magnaten, die sich nie für Arbeitsrecht interessiert haben, auch anderswo den Abbau von Arbeitsrecht mitfinanzieren.

Was aus den Angestellten der übernommenen Fabriken wird, ist derzeit offen – Bezos hat sich dazu nicht geäussert. Muss man den Namen seines Start-ups als versteckten Hinweis lesen? Prometheus ist eine offensichtliche Anspielung auf die griechische Mythologie: Prometheus war ein Titan, der den Menschen das Feuer brachte – der grosse Modernisierer und Wohltäter der Menschheit. Tatsächlich stahl er aber vor allem einen Funken des heiligen Feuers vom Olymp, was ihm ein grausames Schicksal einbrachte: Zeus liess ihn am Kaukasus anketten, damit jeden Tag ein Adler kommt und ihm die Leber frisst.

Hoffen wir, Bezos hat den Namen bewusst gewählt – und dass die Arbeitnehmenden dem Schicksal entgehen, das diejenigen trifft, die Feuer erhalten, ohne danach gefragt zu haben. Zweckoptimismus gehört dazu: Worauf hat Bezos sein Imperium denn schon aufgebaut?

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