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EU-Kommission lockert 2035-Ziel: 90% CO₂-Reduktion statt 100% – Entlastung für AFIA und Portugals Autozulieferer

Mann in Werkstatt analysiert Autoteile mit Tablet, zwei entkernte Autos im Hintergrund.

Die Europäische Kommission (EK) rückt von der Vorgabe ab, ab 2035 eine Reduktion der Emissionen um 100% zu verlangen. Damit bleibt der Verbrennungsmotor weiterhin möglich – eine Nachricht, die dem europäischen Automobilsektor und insbesondere der portugiesischen Komponentenindustrie spürbar Luft verschafft. Wäre das ursprüngliche Ziel bestehen geblieben, wären portugiesische Exporte und Unternehmen der Branche nach Einschätzung von Branchenvertretern „stark beeinträchtigt“ worden.

Entscheid der Europäischen Kommission: 90% statt 100% bis 2035

Am 16. Dezember kündigte die EK an, dass das Ziel einer Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen (CO₂) um 100% im Jahr 2035 fällt. Stattdessen soll gegenüber dem Niveau von 2021 neu eine Reduktion um 90% erreicht werden.

Hintergrund ist der Druck aus der Industrie: Der Absatz von Elektrofahrzeugen bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Zwischen Januar und Oktober lag der Anteil bei lediglich 16,4% (Quelle: ACEA), obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits ungefähr 30% erreichen sollte. Damit wird die Erfüllung der von der EU festgelegten Emissionsziele aus Sicht der Branche praktisch nicht realistisch.

Auswirkungen auf Portugals Komponentenindustrie und Exporte (AFIA)

José Couto, Präsident der AFIA – Associação de Fabricantes para a Indústria Automóvel, betont gegenüber ECO, dass die ursprüngliche Forderung nach ausschliesslich elektrisch angetriebenen Fahrzeugen einer „Selbstbestrafung“ gleichgekommen wäre – für die gesamte Industrie ebenso wie für Europa.

Er warnt zudem vor den Folgen für die Zulieferer: „Die Komponentenunternehmen wären stark beeinträchtigt und müssten sehr hohe Investitionen tätigen, um sich an die neuen Anforderungen anzupassen.“ Die Bedeutung des Sektors zeigt sich auch in den Handelszahlen: Im vergangenen Jahr machte die Komponentenindustrie 15,4% der portugiesischen Exporte an handelbaren Gütern aus – das entspricht 12,2 Milliarden Euro und damit einem erheblichen Gewicht für die Handelsbilanz.

EU-Autopaket: Batterien, E‑Mobilität und Regeln für Unternehmensflotten

Das neue europäische Autopaket umfasst ausserdem Unterstützungsmassnahmen für die Batterieproduktion sowie Anreize zur stärkeren Nutzung von Elektrofahrzeugen. Dazu kommen neue Vorgaben für Unternehmensflotten und Massnahmen, die die Herstellung von Komponenten mit geringerer Umweltbelastung fördern.

Couto erwartet, dass die neue Zielsetzung die Verwendung von Materialien mit kleinerem ökologischem Fussabdruck begünstigt und Investitionen in Technologie sowie in Forschung und Entwicklung antreibt. Für ihn tragen die angekündigten Instrumente dazu bei, den Bedarf an technischer Innovation mit der wirtschaftlichen Realität der Branche in Einklang zu bringen – und sie helfen aus seiner Sicht, dass Portugal in der europäischen automobilen Wertschöpfungskette verankert bleibt.

Zudem hatte bereits im Vormonat Jorge Castro, Vizepräsident der AFIA, für 2025 eine „leichte Verlangsamung“ beim Verkauf portugiesischer Automobilkomponenten prognostiziert. Gemäss den Projektionen soll der Sektor das Jahr mit einem Umsatz von 14,2 Milliarden Euro abschliessen, was einem Rückgang von 1,4% gegenüber 2024 entspricht. Bei den Exporten wird ein Abflachen erwartet: von 12,2 Milliarden Euro im letzten Jahr auf 11,7 Milliarden Euro in diesem Jahr – ein Minus von rund 4%.

Weitere Einschätzungen

Auch andere Akteure der Branche beurteilen die Lockerung ähnlich. Rodrigo Ferreira da Silva, Präsident der Associação Nacional do Ramo Automóvel (ARAN), bezeichnet die EU-Entscheidung als „Anpassung an die Realität“, weil sie unerreichbare Ziele in sehr kurzen Zeitfenstern vermeide.

Die Associação Automóvel de Portugal (ACAP) unterstreicht ihrerseits, dass der europäische Entscheid den Herstellern mehr Sicherheit und Flexibilität bei der Einhaltung der Klimaziele gebe und gleichzeitig helfe, harte finanzielle Sanktionen zu vermeiden.

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