Chinas Exportbeschränkungen für Seltene Erden beginnen die Automobil- und Zulieferindustrie in Europa und weiteren Regionen zu spüren. Weil mehrere Produktionslinien für Komponenten vorübergehend stillstehen und Hersteller nach Ersatzquellen suchen, nimmt die Sorge vor einem länger anhaltenden Mangel an diesen kritischen Materialien zu.
Warum Seltene Erden für Motoren und Elektronik entscheidend sind
Seltene Erden sind für die Herstellung von Motoren – sowohl für Verbrenner als auch für Elektroantriebe – sowie für zahlreiche elektronische Bauteile unverzichtbar. China verantwortet rund 70% der weltweiten Förderung dieser Elemente und verfügt über etwa 90% der Raffinationskapazitäten. Damit hat das Land eine dominante Stellung in der globalen Lieferkette.
Reaktionen der Hersteller in Europa und weltweit
Mehrere Autobauer haben bereits Vorsichtsmassnahmen eingeleitet, darunter Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen, Ford und Suzuki. Alle versuchen, die Folgen einer möglichen Unterbrechung der Versorgung so gut wie möglich abzufedern.
„Das überlastet ein System, das zuvor hochgradig organisiert war“, sagte Sherry House, Finanzchefin von Ford, gegenüber UBS.
Exportlizenzen aus China: Genehmigungen als Engpass
Zur Einordnung: Seit Anfang April wurden bei den chinesischen Behörden Hunderte Anträge auf Exportlizenzen eingereicht, aber nur etwa ein Viertel soll genehmigt worden sein.
„Unsere Lieferanten arbeiten fortlaufend mit unseren Unterlieferanten zusammen, um die erforderlichen Exportlizenzen zu erhalten“, erklärte ein Sprecher von Volkswagen gegenüber Automotive News Europe.
Mercedes-Benz teilte zudem mit, man koordiniere sich mit Lieferanten verschiedener Ebenen (Tier 1, 2 und 3), um strategische Reserven an Seltenen Erden aufzubauen. Produktionsvorstand Joerg Burzer betonte jedoch, dass die Marke bislang keine direkten Auswirkungen auf die laufende Fertigung festgestellt habe.
Auch BMW meldete, die Werke liefen weiterhin normal. Gleichzeitig seien an kritischen Stellen der Versorgungskette bereits erste Anzeichen von Druck erkennbar.
Suzuki: erste Produktionspause
Suzuki ist der erste japanische Hersteller, der direkt von den Restriktionen betroffen ist. Die Marke hat die Produktion des Swift (ausgenommen Swift Sport) seit dem 26. Mai ausgesetzt und dies mit fehlenden Komponenten begründet. Zur Erinnerung: Der Swift nutzt lediglich die mildeste Form der Elektrifizierung, mild-hybrid.
Die teilweise Wiederaufnahme der Produktion im Werk Sagara in Japan ist nun für den 13. Juni geplant; der vollständige Neustart soll nach dem 16. Juni folgen. Obwohl Suzuki den Stopp bestätigte, wollte das Unternehmen die konkreten Gründe für die Unterbrechung nicht näher kommentieren.
CLEPA warnt vor Folgewirkungen
Die CLEPA (Europäische Vereinigung der Automobilzulieferer) hat kürzlich die Europäische Union und China dazu aufgerufen, bei den Exporten von Seltenen Erden zu einer Einigung zu kommen – angesichts des Risikos „noch deutlich schwerwiegenderer Konsequenzen in nächster Zeit“.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!
Kommentar hinterlassen