Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran treibt nicht nur die Treibstoffpreise. Durch die Strasse von Hormus laufen auch zentrale Rohstoffe für die Automobilproduktion – darunter Flüssigerdgas, Aluminium sowie Polymere wie Polyethylen und Polypropylen.
Für eine Branche, die ihre Lieferketten seit der Pandemie erst mühsam wieder stabilisiert, ist eine solche Blockade ein zusätzliches Risiko, das so nicht einkalkuliert war. Angesichts der geopolitischen Unsicherheit prüfen mehrere Hersteller inzwischen Ausweichrouten, um die Versorgung abzusichern.
Alternative Routen für Rohstoffe durch die Strasse von Hormus
Hyundai gehört zu den Unternehmen, die darauf reagieren. Obwohl die Marke in Europa stark mit Werken vertreten ist, liegt ein wesentlicher Teil der Produktion weiterhin in Südkorea.
Wie José Muñoz, der CEO, in einem Interview erklärte, werden Transporte des südkoreanischen Herstellers derzeit über die Route rund um Afrika umgeleitet – und damit an der Strasse von Hormus vorbei. „Wir haben unsere Schiffe zum Kap der Guten Hoffnung umgeleitet“, sagte er.
Diese Entscheidung hat allerdings ihren Preis: Laut Muñoz führt die Umstellung „zu einer erheblichen Verlängerung der Vorlaufzeit“. In der Praxis bedeutet das längere, langsamere und teurere Lieferketten.
„Die Globalisierung ist vorbei“: Muñoz über die neue Realität
Für Muñoz geht das Problem klar über die kurzfristige Störung hinaus. „Wir versuchen Angebot und Nachfrage auszubalancieren, Entscheidungen zu treffen und unsere Produktionskapazität so weit wie möglich zu maximieren, damit wir keine Produktion verlieren. Aber es ist schwierig. Es war noch nie so schwierig wie jetzt“, räumte er ein.
Hyundai verlagert die Lieferkette näher an die Produktion
Hyundais Ansatz besteht darin, die Lieferkette schrittweise näher an die Produktionsstandorte zu verlagern – mit dem Ziel, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
In Europa will der Hersteller mehr Komponenten vor Ort beziehen, statt sie aus Südkorea zu importieren. In den USA ist der Plan deutlich ambitionierter: Die Produktionskapazität soll um rund 300 000 Einheiten auf insgesamt 1,2 Millionen bis 2030 steigen, und 80 % der Lieferkette sollen im Land lokalisiert werden. „Die Globalisierung ist vorbei“, sagte der Manager. „Sie ist komplett vorbei.“
Das neue Hyundai-Werk im Bundesstaat Georgia ist das sichtbarste Zeichen dieses Paradigmenwechsels. Ursprünglich für die Produktion der IONIQ 5 und 9 geplant, soll dort noch in diesem Jahr auch die Fertigung von Hybriden anlaufen. 2027 sollen zudem Elektro-Modelle mit Reichweitenverlängerer folgen. Bereits Anfang letzten Jahres hatte das Unternehmen ein Mega-Investment in den USA angekündigt, um sich gegen heutige und künftige Handelstarife abzusichern.
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