AlixPartners warnt davor, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts in Europa bis zu acht Autofabriken geschlossen werden könnten. Als Gründe nennt die Beratung eine schwächere Nachfrage als erwartet sowie den wachsenden Wettbewerb durch chinesische Marken.
Auslastung der europäischen Autofabriken und Druck auf Stellantis
Nach Angaben von AlixPartners laufen europäische Werke derzeit im Durchschnitt nur mit 55% ihrer Kapazität. Das belastet die Profitabilität der Hersteller spürbar. Bei Stellantis liegt die Auslastung demnach sogar lediglich bei 45% – damit gehört der Konzern zu den schwächsten Performern. Verschärfen dürfte sich die Lage durch die Expansion von Marken wie BYD und MG.
Chinesische Marken in Europa: Prognosen bis 2030
Fabian Piontek, Geschäftsführer von AlixPartners in Deutschland, sagte gegenüber Bloomberg: „Die europäischen Hersteller werden in den kommenden Jahren zwischen ein und zwei Millionen Fahrzeuge an chinesische Marken verlieren.“
„Die chinesischen Hersteller dürften dieses Jahr in Europa einen Marktanteil von rund 5% erreichen“, so der Manager. Auch auf längere Sicht sind die Aussichten laut AlixPartners kaum besser: Die Beratung erwartet, dass chinesische Marken wie BYD oder MG bis 2030 etwa 10% Marktanteil erobern. Das würde den Druck erhöhen, Produktionskapazitäten in den Werken abzubauen.
Sollten chinesische Hersteller bis 2030 rund zwei Millionen Autos in Europa verkaufen, hätte die Region rechnerisch etwa acht Fabriken zu viel – weil dann bei gleicher Nachfrage ein grösseres Angebot an Fahrzeugen auf den Markt trifft.
Schliessung von Fabriken
Neben der Überkapazität ist eine Werksschliessung laut AlixPartners auch deshalb schwierig, weil sie viel Zeit und Geld kostet. Die Stilllegung eines grossen Standorts mit rund 10'000 Mitarbeitenden kann demnach Kosten von 1,5 Milliarden Euro verursachen. Zudem kann sich der Prozess über ein bis drei Jahre hinziehen.
Tom Gellrich, Berater und Managing Director bei AlixPartners, sagte dazu: „Es ist ein langer Prozess, und die Führungskräfte brauchen eine Erzählung, die zeigt, dass die Schliessung der Anlagen die einzige tragfähige Lösung ist.“
Nach Jahrzehnten des Wachstums fahren europäische Hersteller ihre Produktion zunehmend zurück und streichen Tausende Stellen – darunter auch Konzerne wie Volkswagen und Stellantis. Die Nachfrage nach Neuwagen hat das Niveau vor der Pandemie (2019) noch nicht wieder erreicht: Damals wurden in Europa mehr als 15 Millionen Fahrzeuge verkauft. Im letzten Jahr lagen die Verkäufe laut ACEA bei lediglich 13 Millionen Einheiten.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!
Kommentar hinterlassen