Die Automobilindustrie besteht nicht nur daraus, dass fertige Fahrzeuge vom Montageband rollen. Ein ebenso wichtiger Teil ist die breit aufgestellte Zuliefer- und Komponentenbranche.
Das zeigt sich daran, dass die rund 350 Unternehmen in Portugal Komponenten für 95% der in Europa produzierten Autos herstellen.
Diese und weitere Kennzahlen zur portugiesischen Automobilkomponentenindustrie kamen in der jüngsten Folge von Auto Radio zur Sprache, einem Podcast von Automobilische Vernunft. Einer der Gesprächspartner war José Couto, Präsident des Verbands der Hersteller für die Automobilindustrie (AFIA).
José Couto bezeichnete die Komponentenproduktion in Portugal als „äusserst positiv“ und erklärte, sie „steht für 18% der Exporte“ und steuert zudem 6% zum nationalen BIP bei.
Von diesen (rund) 350 Unternehmen sind bei mehr als 60% mehrheitlich portugiesisches Kapital beteiligt; seit 2019 beschäftigen sie zusammen etwa 62 00 Mitarbeitende.
„Es gibt 350 Unternehmen - in Portugal - die Komponenten für die Automobilindustrie herstellen, für 95% der in Europa produzierten Autos, und die 6% des BIP ausmachen“
José Couto, Präsident des Verbands der Hersteller für die Automobilindustrie
Laut AFIA erreichte der Umsatz der Komponentenfertigung Ende des letzten Jahres 12 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 6,9% gegenüber 2021 entspricht.
Der grösste Teil der Produktion ist für den Export bestimmt
Wie bei den in Portugal gebauten Fahrzeugen geht auch bei den hergestellten Komponenten der wichtigste Absatz in ausländische Märkte.
Von den 12 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2022 entfallen mehr als 85% auf Verkäufe ins Ausland, also 10,2 Milliarden Euro. Betrachtet man nur die Exporte, lag das Wachstum gegenüber 2021 bei 7,2%.
87,7% der Ausfuhren gehen nach Europa. Spanien nimmt dabei mit 27,9% den grössten Anteil ein. Auf Platz zwei folgt Deutschland mit 22,1%, auf Platz drei Frankreich mit 10,7% der exportierten Komponenten.
Neben Europa werden 7% der aus Portugal exportierten Komponenten nach Amerika geliefert, 2,8% nach Afrika und in den Nahen Osten, und 2,5% nach Asien.
Welche Arten von Komponenten werden in Portugal produziert?
Sowohl die Metallurgie und Metallverarbeitung als auch Systeme sowie elektrische und elektronische Komponenten kommen jeweils auf 32%. An dritter Stelle steht die Produktion von Kunststoffen, Gummi und anderen Verbundwerkstoffen mit 20%. Danach folgen Textilien und weitere Verkleidungen (9%), die Montage von Systemen (4%) sowie andere, kleinere Tätigkeiten mit den verbleibenden 3%.
Die Risiken für die Zukunft der nationalen Komponentenindustrie
Am Horizont zeichnen sich mehrere Faktoren ab, die diese Erfolgsgeschichte in naher Zukunft verändern könnten - sowohl für die Komponentenproduktion als auch für die portugiesische Automobilindustrie insgesamt.
Wie in Auto Radio angesprochen - und insbesondere in der Einordnung der nationalen Automobilproduktion - zählt die Logistik zu den zentralen Risikofaktoren für die Komponentenindustrie in Portugal.
Eines der grössten Probleme betrifft das nationale Bahnnetz: In Portugal und Spanien wird die iberische Spurweite (Achsenbreite) genutzt - ausgerechnet der Verkehrsträger, der beim Gütertransport zunehmend bevorzugt wird. Das erschwert die Anbindung an den Rest Europas, wo viele Automobilwerke stehen.
Diese Herausforderung wird dadurch verstärkt, dass Portugal als peripher gelegenes Land heute mit zahlreichen Staaten im Zentrum des Kontinents konkurriert, die zudem geografisch näher an vielen europäischen Automobilfabriken liegen.
Hinzu kommt: Der Plan der Europäischen Union zur Klimaneutralität sieht vor, den Gütertransport auf der Strasse bis 2030 um rund 30% zu senken und ihn vor allem auf die Schiene zu verlagern.
José Couto, Präsident der AFIA, betont, dass die Weichen für die Bahn in Portugal jetzt gestellt werden müssen. Industrieinvestitionen werden langfristig geplant, und „heute schränkt das Land diese Aktivitäten und Investitionen ein“.
„Wenn wir erst ab 2030 über die Bahn nachdenken, bedeutet das, dass ich in weniger als 12 Jahren nie eine funktionierende Bahn haben werde; in der Zwischenzeit gibt es eine Reihe von Dingen, die passieren werden (Investitionen der Industrie), bei denen wir aussen vor bleiben.“
José Couto, Präsident der AFIA
Um die Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Komponentenindustrie zu halten - und sie sogar auszubauen - ist das entscheidend, zumal die Automobilbranche sich im Zuge von Elektrifizierung und Digitalisierung wandelt und zugleich die Umweltziele der EU erfüllen muss.
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