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Renault Scénic E-Tech: die grosse Elektro-Revolution

Weisser Renault Scenic E-Tech Elektro-SUV neben Ladestation in modernem Innenraum mit grossen Fenstern.

Nach dem Mégane E-Tech steht nun der Renault Scénic vor einem radikalen Neuanfang – und soll als Speerspitze der neuen Elektro-Ära der französischen Marke auftreten.

Wir konnten ihn in Paris (Frankreich) aus nächster Nähe kennenlernen, an einem Event, der die öffentliche Premiere dieses Modells an der IAA Mobility in München (Deutschland) vorweggenommen hat.

27 Jahre später: die Revolution

Der Renault Scénic kam 1996 auf den Markt und stellte den damaligen europäischen Markt auf den Kopf: Als erster kompakter Van in Europa wurde er schnell zur naheliegenden Wahl für viele Familien und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Namen im Renault-Programm.

Es folgten 27 Jahre Historie und mehr als fünf Millionen verkaufte Exemplare – bis der Markt neue Spielregeln vorgab.

Wie schon bei einem anderen Renault-Urgestein, dem Espace, verabschiedet sich auch der Scénic vom klassischen Van-Layout und wechselt zur Crossover-Karosserie. Gleichzeitig verzichtet er auf Verbrennungsmotoren und tritt ausschliesslich als Elektroauto an.

Trotz dieser typologischen Wende bleiben genau jene Qualitäten erhalten, die den Scénic seit jeher geprägt haben: Platzangebot, Komfort und Variabilität – Eigenschaften, die den Namen Scénic zum Synonym für ein «Familienauto» gemacht haben.

27 cm länger als der Mégane E-Tech Electric

Der neue Renault Scénic E-Tech ist klar im «Herz» des C-Segments positioniert und liegt eine Stufe über dem Mégane E-Tech Electric – spätestens beim Blick auf die Abmessungen wird das deutlich.

Mit 4,47 m Länge ist der Scénic E-Tech 27 cm länger als der Mégane E-Tech Electric; auch der Radstand fällt mit 2,78 m um 10 cm grösser aus. Dazu kommt: Der Scénic ist zudem rund 10 cm breiter.

Obwohl sich Breite und Länge unterscheiden, bewegen sich beide Modelle bei der Höhe auf einem ähnlichen Niveau. Das passt dazu, dass Aerodynamik im Designprozess dieses Modells eine zentrale Rolle spielte – mit dem Ziel, Effizienz und Reichweite zu maximieren.

Im Stil von Gilles Vidal

Mit dem Scénic E-Tech hält die jüngste Renault-Designsprache Einzug, die von Gilles Vidal eingeführt wurde. Sofort erkennbar sind Anleihen beim überarbeiteten Clio und beim neuen Rafale – besonders bei der Lichtsignatur an der Front.

Am stärksten ins Auge fällt jedoch die Frontpartie mit dem diamantartigen Muster – eine Anspielung auf das Renault-Logo –, das sich zu den Rändern hin verändert. Aus der Nähe betrachtet gefällt mir der visuelle Effekt, den diese Lösung erzeugt, ausgesprochen gut.

Auffällig sind ausserdem die markanten Kanten und die sehr klar modellierten Flächen. Vieles davon hatte der Scénic Vision vorweggenommen – ein Konzeptfahrzeug, das wir 2022 gesehen haben und das zahlreiche der heutigen Designideen des Serienmodells bereits ankündigte.

In der Seitenansicht tragen die versenkten Türgriffe und die 20’’-Felgen der Esprit-Alpine-Version (19’’-Felgen sind ebenfalls erhältlich) zur aerodynamischen Ausrichtung bei. Besonders prägend ist aber die tief verlaufende Dachlinie, die in einem markanten Spoiler endet und der Silhouette spürbar mehr Dynamik gibt.

Am Heck setzt Renault auf zwei voneinander getrennte Rückleuchten – entgegen dem Trend, die Leuchten über ein durchgehendes LED-Band zu verbinden – und auf eine «Pfeil»-Grafik. Diese Elemente lassen den Scénic optisch breiter wirken. Ebenfalls erwähnenswert sind die robust wirkenden Stossfänger.

Technologie im Dienst der Nutzungserfahrung

Im Innenraum trifft man auf viele vertraute Lösungen, die bereits aus jüngeren Renault-Modellen bekannt sind – etwa aus dem Mégane E-Tech, dem Austral oder zuletzt dem Espace.

Das zeigt sich besonders an Mittelkonsole und Armaturentafel: Dort ist das OpenR Link System von Renault integriert, das ein digitales 12,3’’-Kombiinstrument mit einem vertikalen 12’’-Zentraldisplay kombiniert.

Wie gewohnt basiert das System auf einem Google-Betriebssystem und vermittelt damit eine Bedienlogik, die sehr nah an einem Android-Smartphone/Tablet liegt. Dazu kommen zahlreiche Apps, die viele täglich nutzen – darunter Waze, Google Maps und Spotify.

Selbstverständlich ist auch die Smartphone-Einbindung über Android Auto und Apple CarPlay möglich – wahlweise kabelgebunden oder kabellos. Die Entscheidung liegt beim Nutzer.

Ich habe es schon mehr als einmal gesagt und geschrieben: Das ist eines der besten Infotainment-Systeme, das man derzeit kaufen kann. Und der kurze Kontakt mit dem Scénic hat mich nicht dazu gebracht, diese Einschätzung zu revidieren.

So geräumig, wie es der Name Scénic verlangt

Am meisten überrascht hat mich dennoch das Raumangebot. Nicht unbedingt vorne – das hatte ich erwartet (ähnlich wie beim Mégane) –, sondern vor allem im Fond, der ausgesprochen grosszügig ausfällt.

Hinten können drei Erwachsene mit durchschnittlicher Körpergrösse Platz nehmen, auch wenn der mittlere Sitz etwas höher positioniert und straffer gepolstert ist. Am eindrücklichsten ist die Kniefreiheit (278 mm): Mit dem Fahrersitz auf meine Körpergrösse (183 cm) eingestellt, konnte ich mich hinten sehr entspannt hinsetzen.

Auch die Kopffreiheit überzeugt, insbesondere bei Fahrzeugen mit dem optionalen Solarbay-Glasdach. Dieses arbeitet mit Flüssigkristallen und lässt sich per Knopfdruck (oder via Sprachassistent) von transparent auf opak – und zurück – schalten.

Im Vergleich zu einem klassischen Rollo ist diese Technik nicht nur leichter, sondern auch deutlich schneller und praktischer: Innerhalb weniger Sekunden verändert sich die Helligkeit im Innenraum komplett. Zusätzlich lässt sich das Dach segmentweise steuern – vorne transparent und hinten opak (oder umgekehrt).

Laut Renault bringt diese Lösung 30 mm zusätzliche Kopffreiheit im Vergleich zu einem Fahrzeug ohne Solarbay.

Beim Kofferraum nennt Renault 545 Liter Ladevolumen – ein Richtwert im Segment. Werden die Rücksitze umgelegt, steigt der Wert auf 1670 Liter.

Sitze aus recycelten Plastikflaschen

Die eisenhaltigen Bestandteile des neuen Scénic E-Tech bestehen im Schnitt zu 37% aus recycelten Materialien; Motorhaube und Türen werden aus bis zu 80% recyceltem Aluminium gefertigt.

Damit sind die Umweltaspekte aber nicht ausgeschöpft. Beim Glas des Dachs stammen nur 50% aus Primärrohstoffen, und im Innenraum wird vollständig auf Tierleder verzichtet.

Beim Lenkrad etwa bestehen 51% der Beschichtung aus biobasierten Materialien. Das Cockpit enthält 26% recycelten Kunststoff, und die Fussmatten werden aus 54% gebrauchten Plastikflaschen hergestellt.

Die Sitzbezüge sind zu 100% aus recyceltem Stoff. Bei den Esprit-Alpine-Versionen kommen zudem Materialien zum Einsatz, die aus recycelten Plastikflaschen (80%) und recycelten Sicherheitsgurten (20%) gefertigt sind.

Bis zu 620 km Reichweite

Der neue Scénic E-Tech steht auf der CMF-EV Plattform (wie der Mégane E-Tech Electric und der Nissan Ariya) und wird mit zwei Motorisierungen (ohne Seltene Erden) sowie in zwei klar getrennten Varianten angeboten:

  • Motor mit 125 kW (170 cv) und 280 Nm, Batterie mit 60 kWh, Reichweite bis zu 420 km, 0-100 km/h in 9,3s, 150 km/h Höchstgeschwindigkeit;
  • Motor mit 160 kW (220 cv) und 300 Nm, Batterie mit 87 kWh, Reichweite bis zu 620 km, 0-100 km/h in 8,4s, 170 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Trotz der unterschiedlichen Kapazitäten (Batterien von LG Chem) nutzen beide Akkus ein Metallgehäuse mit identischem Bauraum. Die Unterschiede liegen in der Energiedichte (höher bei 87 kWh) sowie in der Modulhöhe, die bei der 60-kWh-Version leicht geringer ausfällt.

Die Batteriepakete bestehen jeweils aus 12 Modulen. Im Fehlerfall lassen sich die Module einzeln austauschen – das vereinfacht Reparaturen und senkt potenziell die Kosten.

Wie bereits beim Mégane E-Tech ist beim Planen von Routen in Google Maps eine Vorkonditionierung der Batterie möglich: Nähert man sich den in der App ausgewählten Ladepunkten, wird der Akku auf die ideale Temperatur (25 ºC) gebracht, um eine verbesserte Ladekurve zu ermöglichen.

Leider – so wurde es mir von Renault-Verantwortlichen bei der Präsentation erklärt – funktioniert diese Vorkonditionierung ausschliesslich mit Google Maps. Bei Diensten wie Waze ist das beispielsweise nicht möglich.

Wann kommt er?

In der Schweiz wird der neue Renault Scénic E-Tech erst Anfang 2024 auf den Markt kommen; entsprechend sind die Preise für unseren Markt noch nicht bekannt.

Die Bestellbücher sollen allerdings deutlich früher öffnen – und die Varianten mit 60 kWh und 87 kWh werden ab dem Marktstart gleichzeitig angeboten.


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