Stellen Sie sich Folgendes vor: eine zeitgemässe Pick-up, die alles mitbringt, was in einem Nutzfahrzeug wirklich zählt, sich stark individualisieren lässt, auf bewährte Lösungen setzt – und trotzdem bezahlbar bleibt. Klingt spannend, oder?
Genau so dachten auch die Ingenieure in Japan. Auf Basis eines sehr ähnlichen Pflichtenhefts entstand die Toyota Hilux Champ – gewissermassen eine „Low-Cost“-Interpretation der bekannten Toyota Hilux.
Bevor jedoch jemand zum Scheckbuch greift: In Portugal wird diese Pick-up nicht verkauft – warum, erklären wir weiter unten. Unabhängig davon ist die Hilux Champ ein Stück Ingenieursarbeit, das einen genaueren Blick verdient.
Kosten senken ist Pflicht
Bei der Entwicklung der Toyota Hilux Champ stand das Kostenmanagement von Beginn an im Mittelpunkt – sinnbildlich mit Taschenrechner auf der einen und Excel-Tabelle auf der anderen Seite. Das ist nicht übertrieben.
Die Vorgabe aus der Toyota-Führung war klar: ein günstiges Produkt schaffen, das gleichzeitig (und genau hier wird es anspruchsvoll) alle Aufgaben erfüllt, die man von einem Fahrzeug dieser Klasse erwartet.
Als Grundlage dient die IMV-Plattform (Innovative International Multi-purpose Vehicle), dieselbe Basis wie bei der Toyota Hilux. Entsprechend übernimmt sie auch die Fahrwerksanbindung dieser Pick-up. Je nach Ausführung gibt es Hinterradantrieb (nur Hinterachse) oder Allradantrieb.
Beim Aufbau liess man sich von den Lehren der legendären Toyota Land Cruiser Serie 70 inspirieren, deren Produktion ebenfalls einen nationalen Bezug hat. Deshalb prägen klare, gerade Linien das Design – unkompliziert zu formen und, natürlich, günstig herzustellen.
Sparen ging aber noch weiter: Die seitlichen Scheiben sowie Front- und Heckscheibe sind flach und ohne jede Krümmung. Das senkt nicht nur die Produktionskosten, sondern kann im Bruchfall auch Reparaturen günstiger machen.
Im Innenraum dominieren harte Kunststoffe und Gummi. Luxus? Wenn überhaupt, dann nur sehr wenig – meist gar nicht.
Auch die Ladefläche als Aufsatz ist nicht inbegriffen; weiter unten wird klar, dass sie nicht das einzige „nicht serienmässig enthaltene“ Element dieser Pick-up ist. Das hat zwei Seiten: Einerseits wird der Aufbau damit leichter anpassbar, andererseits bleibt der Preis unter 12’000 Euro – das ursprüngliche Ziel war sogar, die psychologische Marke von 10’000 Euro zu unterbieten.
Verbrennungsmotor – selbstverständlich
Die Toyota Hilux Champ soll ausschliesslich mit Verbrennungsmotoren angeboten werden. Aktuell sind drei Varianten vorgesehen: zwei Benziner und ein Diesel, übernommen aus anderen Toyota-Modellen, mit denen sie sich die Plattform teilt.
Warum ausgerechnet diese Vierzylinder ohne jede Elektrifizierung? Die Erklärung ist simpel: Sie gelten als wartungsfreundlich, sind günstig in der Produktion und im Markt seit Jahren erprobt.
Portugal und Europa nicht eingeplant
Ausgerechnet die Stärken dieser Pick-up – Einfachheit und Sparsamkeit – „verraten“ jede Hoffnung auf eine Vermarktung in Europa. Anders gesagt: Was in Asien (vor allem in Südostasien) als Pluspunkt zählt, wird im europäischen Markt als Nachteil bewertet.
Erstens erfüllen die für diese Pick-up vorgesehenen Verbrenner die europäischen Abgasnormen nicht.
Genau solche Vorgaben haben vor nicht allzu langer Zeit bereits ein anderes Modell aus unserem Markt gedrängt: Die Mitsubishi L200 musste Europa verlassen, weil sie die geforderten Mindeststandards nicht einhielt. In Portugal löste diese Nachricht damals einen regelrechten Ansturm auf die letzten verfügbaren Fahrzeuge aus.
Zweitens liegt auch bei der Sicherheit ein Problem: Sowohl das Antiblockiersystem (ABS) als auch Airbags stehen nur auf der Aufpreisliste.
Zwei Einschränkungen, die der kommerziellen Laufbahn dieser Pick-up in Ländern wie Thailand, Indonesien oder Indien jedoch keinerlei Abbruch tun werden.
Zurück nach Europa: In einer Zeit, in der die Durchschnittspreise für Autos immer weiter steigen, wirkt es fast erfrischend, ein Fahrzeug zu sehen, dessen Zweck so schlicht und zugleich so ehrenwert ist – Tausenden Menschen dabei zu helfen, ihre Geschäfte überhaupt erst ins Rollen zu bringen.
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