Bei einem Gefahrstoffeinsatz zählt der Chemikalienschutzanzug (CSA) zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) der Feuerwehr. Er schützt die Trägerin oder den Träger nicht nur vor chemischen, sondern auch vor biologischen, radiologischen und nuklearen Risiken (CBRN). Hier erfahrt ihr, welche CSA-Arten es bei der Feuerwehr gibt, welche Anforderungen sie erfüllen müssen und wie ihr die Ausbildung mit diesen Anzügen in eurer Feuerwehr sinnvoll aufbauen könnt.
Inhaltsverzeichnis
- Die passenden CSA für die Feuerwehr
- Auswahl des CSA je nach Aufgabe der Feuerwehr
- Stichwort Spritzschutzanzüge
- Gasdichter Chemikalienschutzanzug für Notfallteams
- CSA Typ 1a setzt die Feuerwehr am häufigsten ein
- Normen und Vorschriften CSA Feuerwehr
- Sinnvoll üben im CSA Feuerwehr
- CSA Feuerwehr korrekt ankleiden
- Kommunikation spielerisch trainieren
- CSA-Übung: Notfallsituationen trainieren
- Die passenden CSA für die Feuerwehr
Alarm für die Feuerwehr: Auf einer Landstrasse hat sich ein Gefahrgutunfall ereignet. Ein Gefahrguttransporter verliert eine unbekannte Flüssigkeit. Welche Persönliche Schutzausrüstung ist jetzt passend? Wir zeigen euch, welche CSA ihr im ABC-Einsatz tragen müsst.
ABC-Gefahrstoffe (atomar, biologisch, chemisch) bedeuten für Einsatzkräfte ein erhebliches Risiko. Darum braucht es im Einsatz besondere Schutzmassnahmen. Neben Atemschutzgeräten sind dabei Chemikalienschutzanzüge (CSA) zentraler Bestandteil der PSA. Ziel dieser Schutzausrüstung ist es, das Aufnehmen von Gefahrstoffen in den Körper (Inkorporation) zu verhindern und eine äussere Verunreinigung mit Gefahrstoffen (Kontamination) so weit wie möglich zu vermeiden.
Für eine passende Auswahl der Schutzkleidung lohnt sich ein genauer Blick auf die typischen Gefahren im Einsatz. Im Chemiebereich sind das vor allem gefährliche Gase, Dämpfe und Flüssigkeiten, Explosionsrisiken und die Bildung von Stichflammen sowie sehr hohe oder sehr tiefe Temperaturen. Die Schutzbekleidung soll möglichst umfassend dagegen schützen, darf die Trägerin oder den Träger aber nicht unnötig stark behindern. Und nicht zuletzt spielt der Preis dieser Feuerwehrbekleidung bei der Beschaffung eine wichtige Rolle.
Auswahl des CSA je nach Aufgabe der Feuerwehr
Arbeiten im ABC-Einsatz, die spezielle Schutzkleidung erfordern, lassen sich grob drei Bereichen zuordnen:
- Arbeiten und Rettungen direkt im Gefahrenbereich mit sehr hohem Gefährdungspotenzial
- Mess- und Überwachungsaufgaben an der Grenze zum Gefahrenbereich mit überschaubarem Gefährdungspotenzial
- Tätigkeiten mit geringem Gefährdungspotenzial, zum Beispiel Dekontamination
Ein Dekontaminations-Trupp, der beim Auskleiden dekontaminierter CSA-Träger unterstützt, benötigt eine andere Schutzkleidung als ein Trupp, der in austretenden Gefahrstoffdämpfen – zusätzlich zwischen scharfkantigen Teilen eines verunfallten Lastwagens – Rettungsarbeiten ausführt.
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Von den in der Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“ beschriebenen Schutzkleidungsarten werden bei ABC-Lagen vor allem der Körperschutz Form 2 (Schutzanzüge gegen Kontamination mit festen und teilweise flüssigen Gefahrstoffen) sowie der Körperschutz Form 3 (Schutzanzüge gegen Kontamination mit flüssigen und gasförmigen Stoffen) eingesetzt.
Der Körperschutz Form 1 dient dazu, eine Kontamination mit festen Partikeln zu verhindern. Er setzt sich aus der Schutzkleidung für die Brandbekämpfung plus Kontaminationsschutzhaube zusammen. Vorgesehen ist diese Kombination etwa im Strahlenschutzeinsatz oder bei Einsätzen, bei denen das thermische Risiko stärker ins Gewicht fällt als eine mögliche Kontamination.
Wo eine Gefahr durch bekannte feste oder flüssige Gefahrstoffe besteht, greift die Feuerwehr in der Regel zu Anzügen des Körperschutzes Form 2 – vorausgesetzt, dass damit eine Gefährdung der Trägerin oder des Trägers praktisch ausgeschlossen werden kann. Häufig sind das flüssigkeitsdichte Schutzanzüge nach DIN EN 14605:2009, Typ 3 (siehe Abschnitt „Normen und Vorschriften für CSA Feuerwehr“). Solche Anzüge sind spürbar dünner, flexibler und leichter als gasdichte CSA. Meist lassen sie sich mit Filter oder Pressluftatmer und Vollmaske kombinieren. Das entlastet die Einsatzkräfte, verlängert die mögliche Einsatzdauer und ist zudem deutlich kostengünstiger als gasdichte CSA.
Stichwort Spritzschutzanzüge
Für geringere Gefährdungen, bei denen keine Chemikalienschutzanzüge nötig sind, reichen Spritzschutzanzüge aus. Gerade bei diesen Ausführungen sollten Feuerwehren darauf achten, dass sie für A-, B- und C-Gefahren zugelassen sind. So lässt sich ein Anzug in unterschiedlichen Einsatzlagen einsetzen. Relevant sind dabei folgende Normen:
- DIN EN 1073-2 „Schutzkleidung gegen radioaktive Kontamination – Teil 2: Anforderungen und Prüfverfahren für unbelüftete Schutzkleidung gegen radioaktive Kontamination durch feste Partikel“
- DIN EN 14126 „Schutzkleidung – Leistungsanforderungen und Prüfverfahren für Schutzkleidung gegen Infektionserreger“
- DIN EN 14605 (siehe Abschnitt „Normen und Vorschriften CSA“; gilt für Form-2-Anzüge; Form-3-Anzüge sind in EN 943 genormt)
„Bei den meisten ABC-Einsätzen der Feuerwehr lässt sich die Gefahr, die von einem austretenden Stoff ausgeht, zunächst einmal gar nicht abschätzen“, sagt Branddirektor Dr. Volker Ruster, Chemiker und Leiter der Analytischen Task Force (ATF) bei der BF Köln. „In solchen Situationen ist die größtmögliche Gefahr anzunehmen und der maximale Schutz zu wählen. Deshalb müssen die Einsatzkräfte schon für die Erkundung durch einen gasdichten CSA gegen Flüssigkeiten und Gase geschützt sein.“
Gasdichter Chemikalienschutzanzug für Notfallteams
Schutzanzüge der Körperschutz Form 3 nach FwDV 500 werden in der DIN EN 943-2 mit den „Leistungsanforderungen für gasdichte (Typ 1) Chemikalienschutzanzüge für Notfallteams (ET)“ beschrieben und entsprechend dieser Norm zugelassen. Die DIN EN 943-2 – ebenso wie die BG-Regel 189 „Benutzung von Schutzkleidung“, auf die bei CSA oft verwiesen wird – unterscheidet zwischen Typ 1a (Atemluftversorgung innen mitgeführt) und Typ 1b (Atemluftversorgung aussenliegend). Für deutsche Feuerwehren kommt zusätzlich die Zulassung nach vfdb-Richtlinie 08-01 dazu.
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Gasdichte Schutzanzüge nach DIN EN 943-2 und vfdb 08-01 sind in praktisch allen ABC-Einheiten der Feuerwehren vorhanden. Der Markt ist breit aufgestellt – und genau deshalb lohnt es sich, auf Details zu achten.
Auch bei zugelassenen Modellen nach DIN EN 943-2 und vfdb 08-01 existieren teils deutliche Unterschiede bei Beständigkeit und Schutzwirkung. Grundsätzlich werden gasdichte Schutzanzüge in wiederverwendbare (reusable) CSA und CSA für den begrenzten Einsatz (limited use) eingeteilt.
Der wesentliche Unterschied liegt im Materialaufbau. Wiederverwendbare CSA bestehen häufig aus mehreren Lagen reissfester Textilien, besonderen chemikalienbeständigen Kunststofffolien und Hochleistungselastomeren. Anzüge für den begrenzten Einsatz sind dagegen teils nur aus einer einzigen Kunststofffolie hergestellt.
Diese Unterschiede in chemischer und mechanischer Beständigkeit entscheiden zuerst darüber, ob ein CSA nach dem Einsatz entsorgt werden muss oder erneut genutzt werden darf. Bei Anzügen für den begrenzten Einsatz sind zwei Punkte wichtig: Erstens sind sie – wie der Name sagt – nur eingeschränkt wiederverwendbar, manche sogar nur für einen einmaligen Einsatz. Zweitens sind sie für Feuerwehrtätigkeiten mit geringem Gefährdungspotenzial vorgesehen.
Die vfdb-Richtlinie 08-01 nennt als typische Einsatzfelder für begrenzt einsetzbare Chemikalienschutzanzüge konkret das „Absperren und Überwachen von Gefahrenbereichen beziehungsweise Aufspüren und Messen von ABC-Gefahrstoffen“. Gemeinsam ist diesen Aufgaben eine geringe mechanische Belastung.
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Gasdichte Anzüge für den begrenzten Einsatz, die auf Messeinsätze ohne mechanische Beanspruchung ausgelegt sind, eignen sich nicht für Arbeiten direkt im Gefahrenbereich – etwa Retten, Abdichten oder Umpumpen. Das Risiko, den Anzug durch scharfe Kanten oder extreme Temperaturen zu beschädigen und dadurch die Trägerin oder den Träger zu gefährden, ist dafür zu hoch.
Ihre Stärken liegen bei den tiefen Anschaffungskosten und dem kleinen Packmass. Zudem ist das dünnere Material leichter und erlaubt mehr Bewegungsfreiheit. Darum können solche Anzüge eine sinnvolle Ergänzung zu wiederverwendbaren CSA darstellen.
CSA Typ 1a setzt die Feuerwehr am häufigsten ein
Als eigentliche „Universalwaffe“ der Feuerwehren gilt jedoch der wiederverwendbare (auch „schwere“) gasdichte Chemikalienschutzanzug. Er bietet Schutz gegen besonders gefährliche Stoffe. Neben hoher chemischer und mechanischer Beständigkeit halten gewisse Modelle auch Stichflammen sowie extrem kalten Stoffen stand, etwa verflüssigtem Ammoniak. In der Praxis setzen Feuerwehren meist wiederverwendbare CSA Typ 1a ein, bei denen die Atemluftversorgung innen getragen wird.
(Eingebetteter Hinweis) GAMS-Regel hilft beim Gefahrgutunfall
Für Einsätze in explosionsfähigen Atmosphären sollten die elektrostatischen Eigenschaften der Anzüge mitberücksichtigt werden. Entscheidend ist dabei die Erfüllung der europäischen ATEX-Produktrichtlinie 94/9/EG zum Explosionsschutz. Zwar sind darin keine spezifischen Anforderungen an CSA aufgeführt, allerdings kann ein Hersteller seine Anzüge nach dieser Richtlinie prüfen lassen. Praktisch sind ausserdem aussen angebrachte Befestigungsösen für Ausrüstung sowie für die Rettung verunfallter CSA-Träger.
Immer wichtiger werden externe Atemluftversorgung und die Belüftung von Schutzanzügen. In Österreich sind sie seit langem Standard; in Deutschland wurden sie wegen vermeintlicher Komplexität und zusätzlicher Kosten lange Zeit skeptisch betrachtet.
„Spätestens seit der wachsenden Gefahr durch B-Einsätze (biologische Gefahren) und den damit verbundenen längeren Dekontaminations-Zeiten ist dieser Zugewinn an Sicherheit aber nicht mehr wegzudenken“, betont Tilo Funk, Leiter der Werkfeuerwehr Behring in Marburg (HE) und Kreisbrandmeister Allgemeine Hilfe/Gefahrgut des Kreises Marburg-Biedenkopf. „Die externe Luftversorgung dient – entsprechend der vfdb-Richtlinie – der Verlängerung der Einsatzzeit am Dekontaminationsplatz.“ Denn die Regeleinsatzzeit für CSA-Träger mit Pressluftatmern (PA) liegt bei nur 20 Minuten. Für ihre Chemikalienschutzanzüge bieten Hersteller üblicherweise eine Luftzuführungseinrichtung als Zusatzausstattung an.
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Welche Schutzanzüge eine Feuerwehr beschafft, muss sie am Ende über eine Gefährdungsbeurteilung entscheiden. Als Empfehlung hat die vfdb dafür die Richtlinie 08-05 veröffentlicht. Sie dient deutschen Feuerwehren als Orientierung für die Beurteilung und für die finale Auswahl.
Im Grundsatz lässt sich festhalten: Für Erstangriffsfahrzeuge sowie Gerätewagen-Gefahrgut empfiehlt es sich, wegen der höheren mechanischen Anforderungen wiederverwendbare gasdichte CSA zu verladen. Für Messfahrzeuge kommen – abhängig vom Einsatzaufkommen – entweder wiederverwendbare Chemikalienschutzanzüge oder CSA für den begrenzten Einsatz in Frage.
Normen und Vorschriften für CSA Feuerwehr
- ATEX (siehe Richtlinie 2014/34/EU)
- BGR 189 „Benutzung von Schutzkleidung“ (berufsgenossenschaftliche Regel)
- BS 8467 „Schutzkleidung. Persönliche Schutzensembles für den Einsatz gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare (CBRN) Agenzien. Kategorisierung, Leistungsanforderungen und Prüfmethoden“ (British Standards)
- DGUV Information 205-014 „Auswahl von persönlicher Schutzausrüstung für Einsätze bei der Feuerwehr – basierend auf einer Gefährdungsbeurteilung“, September 2016
- DIN EN 943-2:2019-06 „Schutzkleidung gegen gefährliche feste, flüssige und gasförmige Chemikalien, einschliesslich Flüssigkeitsaerosole und feste Partikel – Teil 2: Leistungsanforderungen für Typ 1 (gasdichte) Chemikalienschutzkleidung für Notfallteams (ET)“, Deutsche Fassung EN 943-2:2019
- DIN EN 14605 „Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien – Leistungsanforderungen an Chemikalienschutzanzüge mit flüssigkeitsdichten (Typ 3) oder spraydichten (Typ 4) Verbindungen zwischen den Teilen der Kleidung, einschliesslich Kleidungsstücke, die nur Teile des Körpers schützen (Typen PB [3] und PB [4])“, Deutsche Fassung EN 14605:2005+A1:2009
- FwDV 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“
- NFPA 1991 „Norm für dampfschutzende Schutzensembles bei Gefahrstoff-Notfällen” (National Fire Protection Association, USA)
- Richtlinie 2014/34/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemässen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen (ATEX-Produktrichtlinie)
- SOLAS II-2 „Internationales Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, Kapitel II-2 – Brandschutz, Branderkennung und Brandbekämpfung“
- vfdb-Richtlinie 08-00 „Voraussetzungen und Verfahren zur Eignungsfeststellung von persönlicher Schutzausrüstung für Einsatzaufgaben bei deutschen Feuerwehren“
- vfdb-Richtlinie 08-10 „Auswahl von Persönlicher Schutzausrüstung auf der Basis einer Gefährdungsbeurteilung für Einsätze bei deutschen Feuerwehren“
- vfdb-Richtlinie 08-20 „Zusatzausrüstung an Persönlicher Schutzausrüstung der Feuerwehr“
Bei den „DIN EN“ handelt es sich jeweils um die deutsche Fassung der entsprechenden „EN“ (Europäische Norm), herausgegeben vom Deutschen Institut für Normung (DIN). DIN-/EN-Normen, vfdb-Richtlinien sowie NFPA- und BS-Regelwerke sind beim Beuth Verlag erhältlich.
Text: Nicolai Gäding und Michael Rüffer
Jedes Jahr müssen Trägerinnen und Träger von Chemikalienschutzanzügen (CSA) eine Übung unter Einsatzbedingungen absolvieren. Es genügt dabei nicht, den CSA nur einmal anzuziehen und wieder auszuziehen. Doch wie gestaltet man eine abwechslungsreiche und zugleich praxisnahe Übung? Wir zeigen euch konkrete Beispiele.
Die jährliche Übung für potenzielle CSA-Träger ist in der Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 7 vorgeschrieben. Sie sollte möglichst realitätsnah unter Einsatzbedingungen stattfinden. Dazu gehören Bewegung im Anzug, das sichere Ausführen von Handgriffen und das Trainieren von Abläufen. Für die Ausbildung von CSA-Trägern empfehlen sich die folgenden Übungsmodule.
CSA Feuerwehr korrekt ankleiden
Ein Gefahrguteinsatz lebt von einer klaren Raumordnung – und das beginnt bereits beim Anlegen des CSA. Um Fehler zu vermeiden und die Belastung der anzugtragenden Person zu senken, ist ein eigener Ankleideplatz sinnvoll. Viele Feuerwehren richten diesen in einem luftgestützten Zelt oder im Heckbereich des Abrollbehälters Gefahrgut ein. Dort werden sämtliche benötigten Ausrüstungsgegenstände vorbereitet. Erst wenn alles vollständig bereitliegt, startet die Ankleideprozedur. Als Unterstützung eignet sich ein laminiertes Blatt mit einer Fotoserie der benötigten Ausrüstungsgegenstände.
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Wichtig ist eine klare Aufgabenteilung zwischen Anzugshelfer (Sichtkontrolle CSA, Vorbereitung zum Einsteigen) und CSA-Träger (Kontrolle und Anlegen des Atemschutzgeräts). Für bessere Sicht – und damit mehr Sicherheit – können die Innenscheibe des Anzugs und die Aussenscheibe des Atemanschlusses mit einem Klarsichtmittel aus dem Motorradbereich eingerieben werden. Falls das nicht möglich ist, lassen sich zum Wischen die Baumwoll-Unterziehhandschuhe verwenden.
Vor dem Einrücken in den Gefahrenbereich sollte die Funkverbindung geprüft werden. Der Lungenautomat wird erst an der Grenze zum Gefahrenbereich angeschlossen, damit für die eigentliche Arbeit im Gefahrenbereich möglichst viel Atemluft zur Verfügung steht.
Kommunikation spielerisch trainieren
Ein Handsprechfunkgerät für jede CSA-Trägerin und jeden CSA-Träger ist Pflicht. Doch was, wenn die Technik versagt? Um diesen Fall nicht nur theoretisch zu kennen, kann man ihn mit dem bekannten Kinderspiel „Stille Post“ üben. Dazu wird eine Lageinformation – zum Beispiel ein Erkundungsergebnis – auf eine Karteikarte geschrieben. Die erste Person im CSA gibt die Information an die nächste weiter; das kann über mehrere Stationen laufen.
Ebenso hilfreich ist das Trainieren einer sehr genauen, gleichzeitig kurzen Lagebeschreibung. Man kann etwa mit Bauklötzen eine Situation vorgeben (oder der CSA-Trupp baut sie selbst). In einem anderen Raum oder im Einsatzleitwagen sitzt ein Team, das die Skulptur mit denselben Klötzen nachbauen muss. Ob die Kommunikation klar und fehlerfrei war, zeigt der Vergleich beider Bauwerke.
(Eingebetteter Hinweis) Feuerwehrübungen: Beispiele, Ideen und Vorschläge
Ein weiterer Klassiker ist das Buchstabieren von Chemikaliennamen. Hier sollten bewusst lange und komplizierte Begriffe gewählt werden, um die CSA-Träger wirklich zu fordern. Wie wäre es mit Pentamethylenamin, Methylaluminiumsesquibromid oder ähnlichen?
CSA-Übung: Notfallsituationen trainieren
Als Notfallsituationen nennt die FwDV 500 „Einheiten im ABC-Einsatz“ insbesondere eine Beschädigung des CSA, Atemluftmangel oder Verletzungen, die umgehend behandelt werden müssen. Auf solche Ereignisse muss strukturiert reagiert werden. Grundsätzlich wird zuerst eine Mayday-Meldung abgesetzt, damit alle beteiligten Kräfte über den Notfall informiert sind. Wenn möglich, steuert der CSA-Trupp anschliessend sofort die Dekon-Stelle an.
[eebl-shopify-context id=”gid://shopify/Product/4505192136813″ headline=”Das Chemiewissen für die Feuerwehr” description=”Chemie verstehen Chemische Sachverhalte, die in Feuerwehr-Lehrgängen vermittelt werden, sind oftmals isolierte Fakten.”]
Bei Atemluftmangel besteht eine Möglichkeit darin, den Lungenautomaten vom Atemanschluss zu lösen und aus dem Anzug zu atmen. An der Dekon-Stelle wird dann auf umluftabhängigen Atemschutz umgestellt (zum Beispiel ABEK2P3-Filter).
Die Rettungsoptionen für verunfallte CSA-Träger sind sehr unterschiedlich: Krankentrage, Steckleiterteile, Schleifkorbtrage, Rettungstuch, Spineboard, Rettungsmulde und CSA-Transportwanne. Welche Mittel bei eurer Feuerwehr verfügbar sind, sollte bekannt sein und regelmässig geübt werden. Dabei hat die Sicherheit der verunfallten Person im CSA oberste Priorität.
Einsatztaktisches Vorgehen üben
Nicht jede Feuerwehr, die die Sonderaufgabe CBRN (chemisch, biologisch, radiologisch, nuklear) übernimmt, verfügt über einen Gerätewagen Gefahrgut oder einen passenden Abrollbehälter. Darum folgen Übungen, die sich auch mit einem Löschfahrzeug umsetzen lassen. Bei sämtlichen Übungsvarianten ist darauf zu achten, dass CSA-Träger nicht knien, weil das zu Kontamination oder sogar zu einer Perforation des Anzugs führen kann.
So kann der CSA-Trupp mit einer vierteiligen Steckleiter und Seilschlauchhaltern oder Feuerwehrleinen einen Auffangbehälter bauen: Die Leiterteile werden hochkant zu einem Quadrat gestellt und zusammengebunden, danach wird eine Plane eingelegt. Führt der CSA-Trupp diesen Aufbau selbst im Gefahrenbereich aus, wird gleichzeitig die Fingerfertigkeit trainiert. Alternativ lässt sich auch mit im Ring ausgelegten Saugschläuchen eine provisorische Auffangmöglichkeit herstellen.
[eebl-shopify-context id=”gid://shopify/Product/4056860196973″ headline=”Fachkunde Gefahrstoffe” description=”Erwerbe die nach GefStoffV geforderte Fachkunde: So geht’s! Wer eine Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen erstellt, muss laut § 6 Gefahrstoffverordnung die Fachkunde vorweisen können.”]
Das Niederschlagen von Dämpfen gehört ebenso zu den Standardmassnahmen. Unter CSA wird der Aufbau eines sogenannten Hilfsmonitors oder das Stellen eines Wasserwerfers – inklusive Verlegen der Schlauchleitungen – allerdings zur echten Herausforderung. Eine besondere Aufgabe ist auch, ein leckgeschlagenes Fass ohne Gabelstapler und Fassbergegeschirr von der Ladefläche eines Lastwagens zu bringen: Mit einer Steckleiter als schiefer Ebene, zwei Feuerwehrleinen und dem Fass als lose Rolle kann auch im Gefahrguteinsatz die „mechanische Trickkiste“ genutzt werden. Ein zweiter Trupp kann zur Sicherung neben der schiefen Ebene positioniert werden. Gegebenenfalls muss die Steckleiter unterbaut werden (Schutz gegen Durchbrechen).
Ablegen des Anzugs nur nach Dekon
Nach Abschluss der Arbeit muss die CSA-tragende Person wieder aus dem Anzug steigen. Darum sollte bei jeder Ausbildungseinheit auch die Dekontamination als fester Teil eingeplant werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Arbeiten nach dem Prinzip „Saubermann“ und „Schmutzmann“.
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Der „Schmutzmann“ berührt den CSA ausschliesslich aussen, um zu verhindern, dass Kontamination ins Anzugsinnere oder an die Trägerin bzw. den Träger gelangt. Nachdem der „Schmutzmann“ den Reissverschluss geöffnet hat, wechselt er auf die vom Reissverschluss abgewandte Seite und macht dem „Saubermann“ Platz. Danach kann der CSA gemeinsam abgelegt werden. Dabei ist wichtig, dass der Anzug nicht umklappt und die schmutzige Aussenseite die Person im Anzug kontaminiert.
In diesem Ablauf lässt sich auch der Wechsel vom umluftunabhängigen Atemschutz zum umluftabhängigen Atemschutz (Filter ABEK2P3) üben. Das wird nötig, wenn der Luftvorrat im Atemschutzgerät für die Dekontamination nicht mehr ausreicht. Beim Wechsel muss die CSA-tragende Person tief einatmen, die Luft kurz anhalten und nach dem Wechsel kräftig ausatmen. Danach wird der CSA endgültig abgelegt. Fertig.
Text: Stephan Seibel, Gefahrgut-Experte Feuerwehr
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