Strategische und kritische Rohstoffe als Basis für Schlüsselbereiche
Strategische Rohstoffe, die für zentrale Wirtschaftsbereiche unverzichtbar sind, und kritische Rohstoffe, deren Versorgung besonders störanfällig ist, bilden eine Grundvoraussetzung für die Energiewende, die Digitalisierung, die Verteidigungsindustrie und die technologische Souveränität.
Elektroauto: Welche Rohstoffe in Batterie, Motor und Elektronik stecken
Das Elektroauto zeigt diese Abhängigkeiten sehr deutlich: In Batterien kommen Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit zum Einsatz, um Energiedichte, thermische Stabilität und Reichweite sicherzustellen. Die Permanentmagnete der Motoren sind auf Seltene Erden angewiesen (etwa Neodym und Praseodym). Leistungselektronik basiert auf Silizium; bei Halbleitern der nächsten Generation werden zudem SiC und GaN verwendet. Kupfer ist für Kabelbäume, Spulen und Wechselrichter unverzichtbar. Zinn wird für elektronische Lötverbindungen gebraucht. Hinzu kommen verschiedene weitere Mineralien für Sensorik und Systeme des autonomen Fahrens.
Konzentration von Reserven und Verarbeitung: die Rolle Chinas
Die Lagerstätten sind überwiegend in wenigen Regionen gebündelt: Lithium vor allem im Dreieck Chile–Argentinien–Bolivien sowie in Australien; Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo (DRK); Nickel in Indonesien, Russland und auf den Philippinen; Niob in Brasilien; Tantal in Zentralafrika; Wolfram in Russland, Vietnam und China, das zudem bei den Seltenen Erden führend ist. Zwar verfügen viele Länder über Rohstoffe im Untergrund, doch nur wenige beherrschen die Umwandlung des Erzes in industriell nutzbare Materialien. China ist dafür ein typisches Beispiel: Obwohl es nicht den grössten Teil der Reserven hält, kontrolliert es einen erheblichen Anteil an Raffination, Separation und Weiterverarbeitung – besonders bei Seltenen Erden, Graphit und Lithium.
Substitution und Minderung: Grenzen synthetischer Alternativen und Bedeutung von Recycling
Eine synthetische Ersatzproduktion – wie sie Deutschland im Zweiten Weltkrieg bei Kautschuk aufgrund des Mangels an natürlichem Latex vorangetrieben hat – ist nur in sehr begrenztem Umfang möglich; bei chemischen Elementen ist eine künstliche Herstellung wirtschaftlich nicht tragfähig. Dennoch gewinnen Massnahmen zur Risikominderung an Bedeutung: dazu zählen synthetischer Graphit und synthetische Diamanten, fortgeschrittenes Recycling von Batterien und Elektronikgeräten, die Entwicklung neuer Verbundwerkstoffe sowie funktionale Substitution (z. B. kobaltfreie Batterien oder Elektromotoren mit geringerer Abhängigkeit von Seltenen Erden). Diese Ansätze reduzieren den Druck, ersetzen jedoch den Bedarf an primären Rohstoffen nicht.
Europa und Portugal: Abhängigkeiten, gesellschaftliche Spannungen und geopolitische Konflikte
Europa ist besonders verwundbar: geringe eigene Reserven und eine hohe Abhängigkeit von Importen haben zur Ausarbeitung von Strategien für kritische Rohstoffe geführt, darunter Diversifikation, Recycling und der Ausbau der eigenen Raffination. Portugal ist wegen seiner Lithium- und Wolframvorkommen ein Sonderfall, steht bei der Erschliessung jedoch unter sozialen und politischen Spannungen. Neben der Pflicht, Umweltfolgen zu minimieren, muss der Abbau fair erfolgen und Wertschöpfung für die lokale Bevölkerung schaffen. In diesem Rohstoffkrieg, der bereits gewaltsame Formen angenommen hat – bei den "Konfliktmineralien" in der DRK und den Nachbarländern oder in Auseinandersetzungen rund um Erdöl (zugleich Energiequelle und Rohstoff) – sind Sanktionen, einschliesslich Blockaden, Exportkontrollen und Instrumente wirtschaftlichen Zwangs, ebenso wie die Beschaffung über Verbündete, die Mittel eines Konflikts, der längst vollständig geopolitisch geworden ist.
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