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Automobilindustrie: 50'000 Stellen weg bei Zulieferern wie Bosch, Valeo und Schaeffler

Blauer Sportwagen Euro-Future in modernem Showroom mit glänzendem Marmorboden und Spiegelwänden.

Dieses Jahr stellt nicht nur die Autohersteller, sondern auch die Zulieferer der Branche auf eine harte Probe – und das im klaren Gegensatz zu den optimistischen Erwartungen zu Jahresbeginn.

Inzwischen ist die Lage in der Automobilindustrie so ernst, dass auch drastische Schritte zur Diskussion stehen.

Das war zuletzt bei mehreren Fahrzeugherstellern zu beobachten – und zeigt sich nun ebenso bei der Komponentenindustrie, etwa bei Zulieferern wie Robert Bosch, Valeo oder Schaeffler.

Viele Beobachter sprechen von einer perfekten Sturmkonstellation, die vor allem aus zwei Entwicklungen entsteht: dem wachsenden Wettbewerb durch chinesische Hersteller und einer nachlassenden Nachfrage. Zusammen lösen diese Faktoren in der europäischen Lieferkette einen Dominoeffekt aus.

„Wenn Hersteller Marktanteile verlieren, werden ihre Zulieferer zwangsläufig ebenfalls getroffen.“
Pedro Pacheco, Analyst bei Gartner

Entlassungen erreichen 50'000

Robert Bosch – der weltweit umsatzstärkste Zulieferer, der Komponenten für nahezu alle der weltweit rund 1,5 Milliarden im Umlauf befindlichen Autos liefert – hat global mehr als 12'000 Entlassungen angekündigt. Davon sollen 7'000 Stellen in Deutschland wegfallen.

Zusätzlich hat das Unternehmen in Europa bereits signalisiert, die Arbeitszeit von 38–40 Stunden pro Woche auf 35 Stunden zu senken. Das würde laut den Angaben in einem Lohnabbau von 12,5% resultieren. Als Begründung nennt Bosch die schwächere Nachfrage nach intelligenten Fahrerassistenzsystemen und Lösungen für autonomes Fahren.

In eine ähnliche Richtung geht ZF Friedrichshafen, der gemessen am Umsatz zweitgrösste Komponentenlieferant weltweit: Bis 2028 plant das Unternehmen, allein in Deutschland zwischen 11'000 und 14'000 Arbeitsplätze abzubauen. ZF begründet den Schritt mit der hohen Verschuldung, die sich nach der Übernahme von TRW und Wabco aufgebaut habe.

Weitere Zulieferer haben ebenfalls Stellenstreichungen angekündigt – insgesamt summiert sich die globale Reduktion damit auf über 50'000 Beschäftigte. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres meldeten europäische Zulieferer die Absicht, rund 32'000 Stellen zu streichen – mehr als während der Covid-19-Pandemie.

„Obwohl bis 2025 rund 100'000 neue Arbeitsplätze vorgesehen sind, zeigt die Realität einen Nettoverlust von etwa 56'000 Stellen“, sagt Benjamin Krieger, Generalsekretär der CLEPA (Europäischer Verband der Automobilzulieferer).

Werksschliessungen

Der Stellenabbau ist nicht die einzige Folge einer Branche, die zunehmend unter Druck gerät. Immer mehr Zulieferer kündigen auch Standortschliessungen an – darunter Valeo, das seine Prognose für den Jahresumsatz in diesem Jahr bereits zweimal nach unten korrigiert hat.

Von den drei Werken, deren Schliessung für Juli in Frankreich angekündigt wurde, soll laut einem Unternehmenssprecher gegenüber Automotive News nur eines geöffnet bleiben – allerdings mit einer kleineren Belegschaft.

Auch Michelin plant, bis 2026 zwei Werke in Frankreich zu schliessen. Als Gründe nennt das Unternehmen die schwache Nachfrage und die Konkurrenz aus Asien.

Langsame Elektrifizierung ist eines der Probleme

Nach Einschätzung von Matthias Zink, Präsident der CLEPA, ist „das Hauptproblem für die Zulieferindustrie die Beschleunigung hin zur Elektromobilität, die sehr langsam verlaufen ist“. Das sagte er in einem Interview mit Automobilwoche. Zink erwartet für die Branche keine einfache Zeit: „Der grösste Einschlag kommt erst noch.“

Auch der Gartner-Analyst Pedro Pacheco räumt ein, dass Zulieferer gleichzeitig von mehreren Seiten unter Druck geraten. Dazu zählt der Fortschritt der Elektrifizierung, der eine grundlegende Anpassung der Unternehmensstrategie erforderlich macht.

Pacheco betont, dass die Neuaufstellung zwar unverzichtbar sei. Wenn sich ein Zulieferer jedoch klar auf diese neue Richtung festlegt, das Umsetzungstempo dann aber hinter den Erwartungen zurückbleibt, könne dies finanzielle und operative Folgen haben.

Eine mögliche Antwort sieht der Analyst in einer konsequenteren Kundenauswahl. „Zulieferer müssen ihre Kundenbasis diversifizieren und Beziehungen zu neuen ‚Playern‘ stärken“, erklärt er.

Wie stark die Abhängigkeit von einzelnen Grosskunden wirken kann, zeigt das Beispiel Schaeffler: Das Unternehmen sah sich gezwungen, in Deutschland rund 2'800 Personen zu entlassen und zwei Werke zu schliessen, nachdem der wichtigste Kunde Volkswagen in Schwierigkeiten geraten war.

„Die automobilen Lieferketten erleben einen seismischen Wandel. Zulieferer müssen sich anpassen, wenn sie in einem Umfeld überleben wollen, das von Elektrifizierung, Software und neuer Konkurrenz geprägt ist.“
Pedro Pacheco, Gartner

Quellen: Automotive News Europe

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