Bis jetzt hat der Renault Symbioz den Preisabstand zum Captur im Wesentlichen nur mit mehr Variabilität im Innenraum erklärt. Nun kommt ein weiteres, wichtiges Argument dazu.
Auf den ersten Blick wirkt der Renault Symbioz wie ein Modell ohne klaren Platz im Portfolio: Für eine reine Captur-Alternative ist er teuer, und gegenüber dem grösseren Bruder Austral fehlen ihm die ganz grossen Trümpfe – zumal dazwischen auch noch der Arkana positioniert ist.
Damit lässt sich gut begründen, dass es für ähnliche Kundschaft eigentlich zu viele Modelle gibt. Dennoch spielt der Symbioz eine Karte, die für ihn spricht: Platz. Der grössere Kofferraum und die (verschiebbare) Rückbank mit mehr Raumangebot trennen ihn klar vom Captur und machen ihn für Familien zu einer deutlich tauglicheren Lösung.
Jetzt kommt ein weiterer Grund hinzu, sich für den Symbioz zu entscheiden: Renault stattet ihn neu mit dem Hybridsystem aus, das beim Dacia Bigster Premiere gefeiert hat – inklusive 1,8-Liter-Motor, den wir kürzlich in einem Video getestet haben.
Genau deshalb erspare ich Ihnen an dieser Stelle Masse und Raumwerte dieses SUV – Miguel Dias hat das bereits ausführlich getan, als er einige Tage „allein“ mit dem Symbioz unterwegs war. Es lohnt sich, seinen Test zu lesen – oder nochmals hervorzuholen.
Bei diesem ersten Kontakt rund um Mortefontaine in Frankreich lag mein Fokus vor allem auf dem neuen Vollhybrid-Antrieb unter der Haube, nicht zuletzt, weil es sich um das erste Renault-Modell handelt, das dieses System nutzt.
Was sind die Unterschiede?
Optisch gibt es aussen kein Detail, das den Symbioz mit der neuen Motorisierung verrät. Wie bereits angedeutet: Die entscheidenden Änderungen sieht man nicht – ausser man öffnet die Motorhaube. Schauen wir auf die Zahlen.
Im Vergleich zur bisherigen Hybridvariante mit 1,6 Litern Hubraum verwendet der Symbioz nun den neuen 1,8-Liter-Verbrenner, den die Renault-Gruppe zuletzt im Dacia Bigster eingeführt hat.
Neben dem grösseren Hubraum legt der (saugende) Benziner um 15 cv an Leistung zu (insgesamt 109 cv) und gewinnt 22 Nm Drehmoment (insgesamt 172 Nm). Damit steigt die kombinierte Systemleistung von 145 cv auf 160 cv – also 5 cv mehr als beim rumänischen SUV.
Unverändert bleiben die zwei Elektromotoren, beide vorne verbaut: Einer übernimmt den Antrieb und liefert 36 kW (49 cv); der andere arbeitet als Starter-Generator und bringt 15 kW (20 cv).
Ebenfalls neu ist die Batterie: Sie kommt jetzt auf 1,4 kWh Kapazität (zuvor 1,2 kWh) und ermöglicht es dem Symbioz, gerade im Stadtverkehr einen grossen Teil der Zeit rein elektrisch zu fahren. Entsprechend profitieren die Verbräuche: Renault gibt 4,4 l/100 km (WLTP) und 99 g/km CO₂ an – das sind 0,2 l/100 km und 7 g/km CO₂ weniger als beim bisherigen 1,6-Liter.
Abseits der technischen Daten fällt unmittelbar am Steuer auf: Dieses System wirkt zugänglicher und „lebendiger“.
Wie fährt er sich?
Auf der Strasse – und obwohl der Kontakt kurz war – genügten wenige Kilometer im Renault Symbioz E-Tech 160, um von der Weiterentwicklung des Vollhybrid-Systems (sehr) positiv beeindruckt zu sein. Der Antrieb agierte stets sehr progressiv und zeigte schon bei niedrigen Drehzahlen eine grosse Bereitschaft.
Verbessert hat sich auch das Multimodo-Getriebe, das in der früheren Hybrid-Ausführung gelegentlich zögerlich und weniger feinfühlig wirkte.
Renault hat auf „unsere“ Kritik reagiert und daran gearbeitet – zum Glück. Die Richtung stimmt: Gangwechsel gelingen spürbar sanfter und schneller, was den Fahrkomfort deutlich erhöht.
Bei kräftigerem Beschleunigen ist der Benziner – wie zu erwarten – weiterhin hörbar. Auffällig ist jedoch, wie das Getriebe die Drehzahlen senkt und wie schnell das System reagiert, besonders im Vergleich zu vorher. Selbst auf der Autobahn wird die Geräuschkulisse nie wirklich störend.
Was das Fahrerlebnis insgesamt betrifft, gibt es wenig zu beanstanden. Dank der gelungenen Steuerung des Hybridsystems (alles läuft automatisch, ohne dass wir etwas einstellen müssen) fährt man öfter rein elektrisch, als man es erwarten würde.
Und auch das Bremsgefühl, das bei Hybriden manchmal schwer „zu lesen“ ist, gibt keinen Anlass zur Kritik: Das Pedalgefühl war durchgehend gut dosierbar und intuitiv.
Sobald man das Tempo erhöht, merkt man schnell, dass die Abstimmung zugunsten des Komforts und nicht der Dynamik ausfällt – selbst in dieser Esprit-Alpine-Version, die in Portugal die einzige angebotene Variante ist und auf 19″-Felgen steht.
Unangenehm wird der Symbioz dabei nie, auch nicht auf schlechteren Belägen. Und obwohl im Innenraum Kunststoff dominiert, wirkt die Verarbeitung auf gutem Niveau – was sich auch daran zeigt, dass keine störenden Nebengeräusche auftreten.
Diesel-Verbräuche
Überraschend waren zudem die Verbräuche, die im Alltag problemlos unter den Werksangaben lagen: Auf meiner Strecke, mit unterschiedlichen Szenarien, kam ich auf 4,2 l/100 km im Schnitt.
Die positiven Punkte enden nicht beim Verbrauch. Mit einem 48-Liter-Tank sind Reichweiten von über 1100 Kilometern realistisch – ein Wert, den (noch) kein reines Elektroauto garantieren kann.
Natürlich lässt sich die Effizienz dieses Systems erst mit einem längeren Test auf portugiesischem Boden wirklich fundiert beurteilen.
Wenn man jedoch die Werte berücksichtigt, die wir jüngst im Bigster erreicht haben – der grösser und schwerer ist als der Symbioz –, bleibt im Grunde nur die Annahme, dass sich die Ergebnisse dieses ersten Kontakts problemlos wiederholen lassen.
Wie sehen die Preise aus?
Der neue Renault Symbioz E-Tech 160 startet bei 37 800 euros und ist – anders als die 145-cv-Version – nur in einer einzigen Ausführung erhältlich: Esprit Alpine, gleichzeitig die bestausgestattete.
Trotz umfangreicherer und „attraktiverer“ Serienausstattung kann der Preis des französischen SUV mit Optionen wie Panoramadach oder einem zusätzlichen Paket an Fahrassistenzsystemen schnell über 40 000 Euro steigen.
Unterm Strich – nicht zuletzt wegen der portugiesischen Besteuerung – ist es schwierig, den Aufpreis gegenüber einem vergleichbaren Captur zu rechtfertigen, zumal auch er diese neue Motorisierung demnächst erhalten wird.
Der Mehrpreis ergibt vor allem Sinn für alle, die wirklich mehr Gepäckraum brauchen. Aber selbst dann steht der Renault Austral mit dem Hybridantrieb E-Tech 200 für nur rund 2000 euros mehr im Raum. Es lohnt sich, den Schritt nach oben zu prüfen – schliesslich ist er in nahezu allen Punkten das überlegene Modell.
Wenn ein Vollhybrid nicht zwingend sein muss, gibt es ebenfalls gute Neuigkeiten: Den Renault Symbioz gibt es neu auch als Mild-Hybrid – mit deutlich attraktiveren Preisen, die bei 29 300 euros beginnen. Lernen Sie die komplette Palette in diesem Artikel kennen:
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