Ein Jahr nach Gradient bringt der chinesische Haushaltsgeräte-Riese Midea seine erste Fenster-Wärmepumpe in den Handel. Die Lösung soll sich in weniger als einer Stunde montieren lassen und positioniert sich als Alternative zu Radiatoren sowie zu Öl- und Gasheizungen. In Nordamerika trifft das Konzept auf Interesse, weil die dort verbreiteten Gebäudefenster und Fassaden das System begünstigen.
Nach mehreren Entwicklungsjahren und Praxistests in Sozialwohnungen im New Yorker Stadtteil Queens startet Midea nun mit seiner ersten Fenster-Wärmepumpe. Das Gerät wurde klar für die USA konzipiert – über die Tochtergesellschaft Midea America, die laut Bericht wie ein Startup operiert. Ziel ist es, die am Markt verfügbaren Lösungen zu übertreffen, die bei Leistung und Einsatzbedingungen oft eingeschränkt sind. Die Fenster-Wärmepumpe soll auch bei sehr tiefen Temperaturen zuverlässig heizen können – bis zu –22 °C.
Installation und Konzept: schlank wie bei Gradient
Wie der grosse US-Konkurrent Gradient setzt Midea auf ein Heizsystem, das optisch aufgeräumt wirkt, wenig Platz beansprucht und sich einfach einbauen lässt. Eine Journalistin von Fast Company installierte die Fenster-Wärmepumpe bei sich zu Hause und testete sie im Alltag. Ihr Fazit: Die Montage dauerte unter einer Stunde – während eine Wand-Inneneinheit einen ganzen Tag beanspruchen kann, professionelle Hilfe erfordert und häufig Bohrarbeiten in den Wänden nötig macht.
Technik der Midea Fenster-Wärmepumpe: stärkerer Kompressor und Regelung
Damit das Gerät auch bei extremen Aussentemperaturen leistungsfähig bleibt, setzt Midea auf einen kräftigeren Kompressor, der intern entwickelt wurde. Für eine gleichmässige Wärme und kontrollierten Stromverbrauch ist dieser Kompressor zudem mit einem System verbunden, das die Aussentemperatur erfasst und die Leistung entsprechend anpasst.
„Die alten Kompressoren waren entweder an oder aus“ erklärte Brian Langness, Projektleiter am Forschungszentrum von Midea America, gegenüber Fast Company. Die Fenster-Wärmepumpe ist nicht dafür ausgelegt, mehrere Zimmer gleichzeitig zu beheizen. Sie kann jedoch – bei geringerem Energieeinsatz – einen Raum effizienter erwärmen als ein klassischer Zusatzradiator.
Im Test beschrieb die Journalistin die Wärmeabgabe als gleichmässiger als bei ihrer Gastherme. Sie schrieb: „als ich die Heizung bei einer Aussentemperatur von etwa -7 °C höher stellte, wurde der Raum schnell richtig warm – angenehmer als der Rest des Hauses“. Gleichzeitig störte sie sich am Platzbedarf, ähnlich wie bei einem herkömmlichen Radiator. Das könnte erklären, weshalb manche Eigentümerinnen und Eigentümer eher zu Wandlösungen greifen, die sich je nach Raum besser integrieren lassen.
Die Midea Fenster-Wärmepumpe in Kürze
- Heizleistung: 9 00 BTU/h (2,6 kW) bei 8,3 Grad Aussentemperatur
- Installation: „plug-and-play“ in 1 Stunde
- Betrieb bis: –25 Grad (Leistung reduziert auf 5 50 BTU/h)
- Geräuschpegel: hoch bei ~ 51 dB(A), niedrig bei ~ 43 dB(A), Flüstermodus bei ~ 29 dB(A)
- Gewicht: 59 kg
- Stromversorgung: elektrisch mit 115 V
- Preis Ende 2025: 200 bis 3 00 US-Dollar
Für wen ist die Fenster-Wärmepumpe gedacht?
Vorerst ist die Fenster-Wärmepumpe vor allem ein US-Thema: Die vorhandenen Heizmodelle sind auf Fensterformate ausgelegt, die in Nordamerika sehr verbreitet sind, in der Schweiz und generell in Europa jedoch deutlich seltener vorkommen. Weil sich dieser Markt erst am Anfang befindet, könnten später Varianten für unsere Regionen auftauchen. Naheliegender ist jedoch, dass zunächst andere englischsprachige Märkte folgen – etwa Kanada und das Vereinigte Königreich.
Midea hat die Produktion seiner ersten Fenster-Wärmepumpe zwar gestartet, will aber in erster Linie Abschlüsse mit professionellen Kundinnen und Kunden erzielen und nicht mit Privatpersonen. Entsprechend richtet sich die Marke direkt an Distributorinnen/Distributoren oder Immobilienentwickler, die Wohngebäude besitzen.
Fast Company berichtete, dass Midea America dazu Gespräche mit mehreren Wohnungsämtern führt – unter anderem in Boston – für Pilotprojekte, die sich am Programm in New York orientieren. Ein weiteres Pilotprojekt soll ausserdem in Kanada kurz vor dem Start stehen.
Mit 200 bis 3 00 US-Dollar pro Gerät bleibt die Fenster-Wärmepumpe für Privatpersonen im Vergleich zu günstigeren Heizlösungen zunächst teuer. Midea ist jedoch ein chinesischer Haushaltsgeräte-Konzern, der eher den mittleren Markt als das Premiumsegment anpeilt. Laut Produktverantwortlichem Brian Langness soll der Preis sinken, sobald die Stückzahlen steigen.
Auch wenn die US-weite Bundes-Steuergutschrift Ende Jahr wegfallen könnte, sollen lokale Förderprogramme die Kosten senken – etwa Clean Heat im Bundesstaat New York.
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