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Der Corvette C8 Stingray mit V8 6,2 l: günstiger als ein Golf R

Roter Chevrolet Corvette C8 Stingray Sportwagen in Ausstellung mit schwarzem Felgendesign und gelben Bremsen.

In Portugal – und eigentlich in Europa generell – ist es leider nicht der Ort, an dem man einen neuen Supersportwagen kaufen kann, der hinter den Insassen einen 6,2-l-V8 mit 500 PS trägt und weniger kostet als ein Volkswagen Golf R.

Dieser Ort sind die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Dort lässt sich dieser Corvette C8 Stingray für 68 300 Dollar kaufen, also ungefähr 63 200 Euro.

Nur sind wir nicht in den USA, sondern in Deutschland: Dort kann Guilherme Costa den ersten Corvette mit zentral hinten platziertem Motor fahren. Dabei will er herausfinden, ob sich dieser Amerikaner in Kurven kultiviert gibt – oder ob das Klischee stimmt, dass er nur geradeaus wirklich glänzt.

Hat er gute Manieren in Kurven?

Dass es Vorurteile gegenüber amerikanischen Autos und ihrer Kurvenkompetenz gibt, ist bekannt. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht – aber es ist ein Bild aus einer Vergangenheit, die immer weiter zurückliegt. Und genau dafür ist dieser Corvette C8 ein ziemlich eindeutiger Beleg.

Wer die Geschichte des Chevrolet Corvette kennt, weiss: Die Idee, den Motor von vorne nach hinten zu verlegen, ist keineswegs neu. Tatsächlich hat es mehr als ein halbes Jahrhundert gedauert, bis dieser Schritt Realität wurde.

Ein zentraler Grund für diesen philosophischen Wechsel war, Ausreden gar nicht erst zuzulassen. Der Corvette kann es mit dem Besten aus Europa „Auge in Auge“ aufnehmen. Damit das gelingt, hat sich das Entwicklungsteam bewusst an den Spitzenmodellen orientiert: Als Referenz diente der Ferrari 458 Italia. Höher hätte man das Ziel kaum ansetzen können.

Der Corvette Stingray C8 ist dennoch kein Ferrari 458 – nicht falsch verstehen. Der Corvette C8 ist stark, aber diese Einstiegsvariante ist möglicherweise nicht die optimale Ausführung, um das gesamte dynamische Potenzial dieses amerikanischen Supersportwagens zu demonstrieren. Im Video nennt Guilherme mehrere Kritikpunkte und spricht von der grössten Achillesferse dieses Sportwagens.

Wer die Fahrdynamik schärfen möchte, kann zu passenden Optionen greifen – oder gleich zum Corvette, der in Kurven zuhause ist: dem Z06.

Was dieser amerikanische Supersportwagen in jedem Fall zeigt, ist eine hohe Fahrfreundlichkeit, stets mit grossen Leistungsreserven – ideal, um sehr, sehr viele Kilometer abzuspulen. Zumal hinten ein „Herz“ sitzt, das praktisch alles mitmacht.

Das Kronjuwel

Der Small Block (kleiner Block) des Corvette Stingray C8 wirkt alles andere als klein. Schliesslich handelt es sich um einen 6,2-l-V8 – ganz ohne Eingriff von Turboladern oder Elektromotoren. Viel „reiner“ geht es kaum.

Gerade die Einfachheit dieses amerikanischen V8 – er hat zum Beispiel nur zwei Ventile pro Zylinder – macht ihn jedoch zu einer kompakteren und leichteren Lösung als viele europäische V8.

Mit den reinen Leistungs- oder Drehmomentwerten beeindruckt er vielleicht nicht jeden – 502 PS (495 hp) und 637 Nm in der US-Spezifikation – doch für den vorgesehenen Einsatzzweck passt das hervorragend. Und ohnehin verlieren Zahlen an Bedeutung, wenn man dieses Erlebnis selbst hat. Das beginnt beim vollen, satten Klang, der den über 6000 cm³ absolut gerecht wird. Wer nach noch extremeren Werten wie bei den Italienern sucht, hat immer noch den Z06.

Hier geht es um Muskelkraft. Für alle, die dem Motto „Es gibt keinen Ersatz für Hubraum“ anhängen, liefert der V8 des Corvette Stingray C8 ein starkes Argument. Der Motor läuft rund, und Atem geht ihm nie aus.

Der einzig wirklich lästige Teil an einem grossen V8 direkt hinter dem Rücken kommt beim Tanken. Doch selbst da zeigte der Corvette C8 einen überraschend zurückhaltenden Appetit. Es liessen sich zwar keine Verbräuche ermitteln, aber wie Guilherme berichtet, zeigte der Bordcomputer über die letzten 1500 km einen Schnitt von unter 13 l/100 km. Für diesen Motortyp bemerkenswert.

Kostet weniger als ein Golf R

Wären wir in den USA, könnte dieser Corvette Stingray bereits für rund 63 200 Euro im Autohaus stehen. Das liegt unter dem Preis eines Volkswagen Golf R in Portugal – und das ist aussergewöhnlich.

Die Atlantiküberquerung von den USA nach Europa bläst den Preis im „alten Kontinent“ allerdings deutlich auf. In Deutschland, wo der Corvette verkauft wird und wo dieser Test stattfand, beginnt der Preis bereits deutlich nördlich von 100 000 Euro.

Das ist ohne Frage viel Geld – doch gemessen an dem, was er bietet, könnte man ihn, verzeiht die Ironie, fast als „günstigen“ Supersportwagen bezeichnen. Im Supersportwagen-Segment gibt es zu einem so tiefen Preis praktisch nichts Vergleichbares.

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