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Europa, Portugal und der Industrial Accelerator Act (IAA): Made in Europe als strategisches Kriterium

Blauer elektrischer Sportwagen lädt an Ladestation in modernem Showroom mit Fenster und Stadtblick.

Europa tritt in eine neue Phase ein. Über Jahre hinweg wurde die europäische Industriedebatte von der Dringlichkeit der Klimakrise und der Energiewende geprägt. Diese Priorität bleibt bestehen. Gleichzeitig zeigt sich heute klar: Allein zu dekarbonisieren reicht nicht - es kommt eine weitere Dimension hinzu. Europa hat erkannt, dass es seine Produktionsfähigkeit sichern, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und strategische Abhängigkeiten reduzieren muss.

Der Industrial Accelerator Act (IAA) und die strategische Rolle von «Made in Europe»

Genau in diesem Umfeld gewinnt der Industrial Accelerator Act (IAA) an Bedeutung. Der IAA ist nicht bloss eine technische Vorschrift, sondern das sichtbare Zeichen einer neuen Phase der Industriepolitik. Er macht unmissverständlich deutlich, dass die Europäische Union wieder mehr auf eigenem Gebiet produzieren will, europäische Wertschöpfungsketten festigen möchte und Finanzierung, Investitionen sowie die öffentliche Beschaffung so ausrichten will, dass dieses Ziel erreicht wird.

Damit wird die «Marke» Made in Europe zunehmend zu einem strategischen industriepoli­tischen Kriterium.

Chancen für Portugal und die Komponentenindustrie der Automobilindustrie

Für Portugal - und besonders für die Zulieferer der Automobilindustrie - ist diese Neuausrichtung ausgesprochen relevant. Sie eröffnet die Möglichkeit, die Fertigung von Komponenten in Europa schrittweise auszuweiten und deren Anteil in Fahrzeugen zu erhöhen, die innerhalb Europas produziert werden.

Die Komponentenindustrie ist in anspruchsvolle, exportorientierte und technologisch intensive Wertschöpfungsketten eingebunden. Wenn Europa künftig mehr europäische Produktion in die von ihm gefertigten Fahrzeuge integrieren will, ist jetzt der Zeitpunkt, unsere industrielle Basis so zu positionieren, dass sie skalieren kann, Investitionen anzieht und ihre Einbindung in Lieferketten weiter stärkt.

Voraussetzungen: Finanzierung, Infrastruktur, Energie, Talente und verlässliche Regeln

Die Komponentenindustrie für das Automobil zählt im IAA zu den Bereichen, die als strategisch eingestuft werden - und die europäische Finanzierung wird dies berücksichtigen. Gleichzeitig verlangt diese Strategie Haltung, Tempo und passende Rahmenbedingungen.

Erforderlich sind Finanzierungsinstrumente, die mit den europäischen Zielen übereinstimmen, wettbewerbsfähige Infrastrukturen, eine Regulierung der Energiekosten, qualifizierte Fachkräfte und regulatorische Stabilität.

Ebenso wichtig ist, dass Portugal seine öffentlichen Instrumente an dieser neuen Ausrichtung ausrichtet, damit nationale Unternehmen mit Produktionskapazität, Innovationskraft und Exportambition reagieren können.

Aus unserer Sicht ist der Kern einfach: Die grüne und digitale Transformation bleibt wichtig, wird jedoch künftig gemeinsam mit industrieller Resilienz, technologischer Intensität und strategischer Autonomie bewertet. Wer diese Veränderung rechtzeitig erkennt, ist besser vorbereitet; wer sie unterschätzt, riskiert, an Relevanz zu verlieren.

Portugal verfügt über Industrie, Kompetenz und Erfahrung, um Teil dieser neuen europäischen Etappe zu sein. Es muss diese Fähigkeit nur in eine strategische Priorität übersetzen. In dem Jahr, in dem die AFIA (Associação de Fabricantes para a Indústria Automóvel) ihr 60-jähriges Bestehen feiert, bekräftigen wir denselben Anspruch wie immer: zu einer wettbewerbsfähigeren, innovativeren und zukunftsbereiteren Automobilindustrie beizutragen.

Europa beschleunigt - und Portugal muss bereit sein, mitzuziehen.

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