Nvidia hat eine neue Prozessoren-Reihe angekündigt: RTX Spark. Dabei handelt es sich um eine CPU-Familie, die darauf abzielt, in unseren PCs die Chips von Intel und AMD abzulösen. Als wichtigste Argumente nennt Nvidia hohe Rechenleistung und eine starke Ausrichtung auf KI – steht damit ein Wandel bei der PC-Nutzung bevor?
Will Nvidia den PC-Markt tatsächlich umkrempeln? Der Hersteller, der für die breite Öffentlichkeit vor allem mit seinen Grafikkarten verbunden ist, geht den nächsten Schritt und stellt eigene Prozessoren vor. In der Nacht hat CEO Jensen Huang anlässlich der Computex in Taipei seine Keynote gehalten und Spark präsentiert – eine CPU-Linie, die speziell für dünne und leichte Notebooks entwickelt wurde. Mit diesem Vorstoss greift Nvidia Intel, AMD und Qualcomm direkt an, die in diesem Segment bereits fest etabliert sind.
Um zu überzeugen, setzt das US-Unternehmen auf mehrere Bausteine. Einer davon ist eine enge Zusammenarbeit mit Microsoft, damit die Kompatibilität möglichst reibungslos ausfällt und Entwicklerinnen und Entwickler bessere Rahmenbedingungen vorfinden. Dafür will Nvidia Prism nutzen, den Windows-Emulator, der es erlaubt, x86-Anwendungen unter ARM auszuführen. Unangenehme Überraschungen sollen damit ausbleiben.
Was Nvidia RTX Spark technisch verspricht
Nvidia stellt ausserdem eine klar auf KI ausgerichtete Plattform in Aussicht – das zentrale Steckenpferd der Marke. Genannt werden eine maximale Leistung von einem PetaFLOP sowie 128 GB integrierter Speicher. Auch bei der klassischen Performance sollen die Daten beeindrucken: Die Chips sollen bis zu 6 114 Blackwell RTX-Kerne plus 20 stromsparende Kerne bieten.
Kurz gesagt: RTX Spark soll Technologien aus Nvidias Grafikkarten-Welt direkt in den Prozessor bringen, darunter Ray Tracing und DLSS. Nvidia behauptet, Kreative könnten damit 3D-Renderings von über 90 GB erstellen, 12K-Videos schneiden und KI-Videos in 4K produzieren – und das alles auf einem Notebook. Dank der ARM-Architektur sollen diese Geräte zudem eine sehr gute Akkulaufzeit erreichen.
Spark könnte damit einen echten Sprung nach vorn bei mobilen PCs bedeuten – und Jensen Huang macht aus seinen Zielen keinen Hehl:
„Der PC erfindet sich neu. Vierzig Jahre lang hat man Anwendungen gestartet. Ein Klick. Text. Mit RTX Spark und Microsoft Windows fragt man – und der PC erledigt die Arbeit. RTX Spark vereint alles, was NVIDIA entwickelt hat (CUDA, RTX, unsere KI-Plattform), in einem einzigen Chip. Lokale Agents. Führende Modelle. Kreative Workflows. RTX-Spiele. Alles auf einem Laptop. Das ist der neue PC. Der KI-gestützte Personal Computer.“
Nvidia rüttelt an der PC-Welt
Diese Prozessoren sollen im nächsten Herbst in zahlreichen PCs auftauchen. Die entsprechenden Geräte sollen leistungsstark, schlank und leicht sein und für intensive Nutzung ausgelegt werden, so das Versprechen. Zur Preisgestaltung gibt es bislang keine Angaben, dafür hat Nvidia die ersten Modelle mit RTX Spark genannt: ProArt von Asus, XPS 16 von Dell, OmniBook Ultra von HP, Yoga Pro 9 von Lenovo sowie das Prestige 16 AI+ Flip von MSI. Allesamt also klar im Premium-Segment.
Auch Microsoft hat ein eigenes Gerät gezeigt: das Surface Laptop Ultra, das als Aushängeschild für Spark positioniert werden soll.
Hohe Erwartungen, aber schwieriges Umfeld
Mit der Ankündigung von ARM-Prozessoren setzt Nvidia ein deutliches Ausrufezeichen. Die Versprechen sind mindestens so gross wie die Ambitionen – und mit Spark könnten ultradünne und leichte PCs zu echten Leistungsboliden werden. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Rahmenbedingungen.
Nvidia hat sich für den Einstieg in diesen Markt kein besonders günstiges Jahr ausgesucht: Die RAM-Preise liegen auf Rekordniveau, und auch die Inflation ist hoch. Um sich abzuheben, will das Unternehmen aus Santa Clara bewusst auf das High-End setzen – ein Ansatz, der sich auszahlen kann. Offen bleibt, ob die Strategie wirklich aufgeht und ob diese erste Prozessor-Generation so revolutionär ist, wie es derzeit angekündigt wird.
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