Auf den ersten Blick wirkt der RS3 nahezu unangreifbar. 335 PS stehen bereit, dazu ein beeindruckend breites Drehmomentband, spektakulärer Grip und enorme Traktion, Audis legendäre Innenraumqualität, eine praktische fünftürige Schrägheck-Karosserie, ordentliche Effizienz, solange man ihn nicht ständig prügelt, und obendrein eine im Verhältnis recht grosszügige Ausstattung. Was soll da schon schiefgehen?
Motor und S-tronic: Leistung aus dem TT RS
Der RS3 frisst Strassen förmlich. Sein Motor, direkt aus dem TT RS übernommen, ist jederzeit präsent. In der Mitte des Drehzahlbands baut er eine fast beiläufige Durchzugskraft auf – perfekt, um entspannt dahinzurollen, wenn man kein Aufheben machen will. Sobald man aber bereit ist, zündet er das Feuerwerk: Er stürmt Richtung roter Bereich, und das siebengängige S-tronic-Getriebe legt ohne zu zögern den nächsten Gang ein.
Mehr Fotos vom Audi RS3 ansehen
Traktion und Tempo: aus jeder Kurve heraus
Unaufhaltsame Kraft trifft auf unbewegliches Objekt: Diese enorme Leistung schafft es kaum, die Haftung der Reifen zu überfordern. Einfach am Kurvenausgang das Gas öffnen. Früher. Noch früher. Der RS3 katapultiert sich aus langsamen Ecken, aus nassen Ecken – aus allem. Nichts stellt sich ihm in den Weg. Nicht einmal enge oder stark befahrene Strassen: Weil das Auto vergleichsweise schmal ist, schlüpft es durch Lücken und entdeckt Überholmöglichkeiten, bei denen ein Supersportwagen zögern würde.
Fahrgefühl und Rückmeldung: nicht immer genug
Und trotzdem: Auf griffigem Belag habe ich nicht ganz genug gegrinst. Der Wagen macht, was er eben macht – einlenken, haften, vorwärts. Vielleicht schiebt er ganz leicht über die Vorderräder, wenn ich wirklich ans Limit gehe (selbst mit den optionalen breiteren 255er-Reifen). Aber meistens war ich gar nicht dort. Mir fehlte Rückmeldung – oder alternative Facetten. Der leichtere, kürzere und tiefere TT RS fühlt sich befriedigender an. Zwar wirkte der RS3 auf einem schmierigeren Strassenstück lebendiger, doch die Lenkung erzählte weiterhin nicht viel.
Ich ertappte mich bei dem Wunsch nach einem Golf R mit genau diesem Motor. Vermutlich liegt es vor allem daran, dass Audi eher auf glatten Strassengrip setzt, während der Golf auf Feinfühligkeit im Handling und auf Geschmeidigkeit zielt. Und natürlich: Würde man all diese Leistung über die Reifen eines Golf R schicken, würden sie wohl zu Sirup zerfliessen.
Audi RS3 im Alltag: Innenraum, Karosserie und Nutzwert
Wenn man sich gerade nicht mit g-Kräften verformt, ist der RS3 – wie die lange Reihe der fünftürigen RS-Audis – ein wirklich nützliches Auto. Und dabei absolut vertrauenerweckend. Zwar steht beim Basis-A3 nächstes Jahr eine Erneuerung an, und deshalb wirken Teile der Bedienergonomie im Innenraum schon etwas angestaubt; dennoch lässt einen das solide Gefühl der gesamten Einrichtung den geforderten Preis schnell vergessen. Aussen gibt es zusätzliche Gitter (funktional, nicht nur Optik) und spezielle Felgen. Um die breite Spur abzudecken, sind auch die vorderen Kotflügel verbreitert – und sie bestehen aus Carbonfaser, was ein kleines bisschen Gewicht spart und gleichzeitig enorme Prahlrechte liefert.
Auch wenn in der Kurvendynamik vielleicht eine Prise Feenstaub fehlt – diese emotionale Verbindung –, muss man das Gesamtbild betrachten. Das Tempo bei allen Bedingungen und die erstaunliche Bandbreite an Alltagskompetenz nehmen einem jede Möglichkeit, gegen das zu argumentieren, was Rennfahrer gern als ein «Gesamtpaket» bezeichnen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!
Kommentar hinterlassen