Zum Inhalt springen

Bentley Bentayga S (2021) im Test: V8-Biturbo-SUV mit mehr Sport

Schwarzer Bentley Bentayga S SUV mit roten Felgen im Showroom auf poliertem Marmorboden.

Nachdem Bentley den Bentayga Diesel aus dem Programm gestrichen hatte, verschwand zeitgleich auch der W12 Speed aus dem Europa-Angebot. Parallel dazu bekam das SUV im Jahr 2021 ein dezentes Facelift – und neu kam der sportlicher positionierte Bentayga S mit V8-Biturbo in die Baureihe.

Der Bentley Bentayga S bringt innen wie aussen optische Feinarbeit mit, dazu zeitgemässere Technologie im Armaturenbrett und gezielte Anpassungen am Fahrwerk. Trotz der sportlicheren Ausrichtung legt der 4,0-l-V8-Biturbo bei Leistung und Fahrleistungen gegenüber dem «Nicht‑S» mit V8 aber nicht zu.

Es bleiben bei den gleichen 550 PS und 770 Nm wie bei den übrigen Bentayga V8. Damit rücken die Werte nahe an den inzwischen eingestellten Speed mit 12-Zylinder-W-Motor heran: 0–100 km/h in 4,5 s (0,6 s langsamer als der W12) und 290 km/h Spitze (16 km/h weniger).

Auf die Fahreindrücke kommen wir später zurück – zuerst schauen wir uns an, was sich aussen und innen am über 5 m langen und gut 2 m breiten Super-SUV verändert hat. Der Bentayga ist seit Ende 2015 auf dem Markt, und weltweit wurden bislang rund 30 000 Exemplare verkauft.

Kriegsbemalung

Aussen fallen exklusive 22-Zoll-Felgen auf (mit leichtem Aftermarket-Touch, aber ohne Übertreibung), «S»-Logos unten an den Türen sowie Elemente aus dem Blackline-Paket (pianolackierte Applikationen an diversen Karosseriestellen), die hier serienmässig integriert sind.

Dazu kommen abgedunkelte Linsen vorne und hinten, Aussenspiegelkappen in Schwarz sowie ovale Endrohre ebenfalls in Schwarz – optisch also konsequent auf sportliche Ambitionen getrimmt.

Zur Erinnerung: Kühlergrill, Frontscheinwerfer und Stossfänger wurden ebenfalls leicht überarbeitet. Deutlich stärker ins Auge fallen jedoch die neuen ovalen Rückleuchten, die in die Heckklappe integriert sind. Diese wuchs seitlich und spannt sich nun über die gesamte Fahrzeugbreite.

Luxus und Technologie auf höchstem Niveau

Im Innenraum (mit vier, fünf oder sieben Sitzplätzen konfigurierbar) gibt es ebenfalls Neuerungen: teils aus der allgemeinen Modellpflege, teils spezifisch für den S. Dazu gehört Alcantara an den stärker konturierten Sitzen, am Wählhebel der 8-Gang-Automatik, am Lenkrad sowie am Dachhimmel.

Serienmässig an Bord ist ein zweiteiliges Glas-Schiebedach mit 1,35 m² Fläche; öffnen lässt sich der vordere Abschnitt. Die komplette Glasfläche kann zudem elektrisch aufgehellt oder abgedunkelt werden.

Vorne bieten die Sitze 22 elektrische Verstellmöglichkeiten sowie Massage-, Heiz- und Kühlfunktion (bei der viersitzigen Innenraumkonfiguration gibt es diese Funktionen auch für die Sessel der zweiten Reihe). Und die Individualisierungsmöglichkeiten (Holz, Metall, Leder und Nähte) sind nahezu grenzenlos.

Der Kofferraum fasst 430 l (4 Sitze) oder 484 l (5 Sitze) – angesichts der Aussenmasse ist das wenig, wie der Blick auf ähnlich dimensionierte SUVs zeigt: Range Rover (550 l) oder der technisch nahe Audi Q7 (890 l).

Auch am Armaturenbrett zeigen sich die Änderungen des Generationsschritts: In der Mittelzone verschwinden die runden Luftausströmer, und obenauf sitzt nun eine luxuriöse Breitling-Uhr.

Mindestens genauso auffällig sind das vollständig digitale, konfigurierbare Kombiinstrument (mit grossen Anzeigen im Stil hochwertiger Chronographen) sowie das neue Infotainment mit 10,9-Zoll-Display. Neu ist dabei auch die kabellose Konnektivität für Apple CarPlay und Android Auto.

Hinten reisende Passagiere können zudem einige Funktionen des Multimediasystems über ein entnehmbares 5-Zoll-Tablet steuern. Und selbstverständlich sind Materialqualität und Verarbeitung in diesem SUV durchgehend erstklassig – passend zum Preisniveau.

Viel mehr als ein Monolith auf Rädern

Technisch basiert dieser Bentley Bentayga auf derselben Architektur wie der Audi Q7, also auf der MLB II. Vorne arbeitet eine Doppelquerlenkerachse, hinten eine unabhängige Mehrlenkerachse. Für die Verzögerung sorgen riesige, innenbelüftete Stahlscheiben – wobei Carbon-Keramik-Bremsen die sinnvollere Wahl wären. Wenn man bedenkt, dass der Bentayga S rund 32 000 Euro mehr kostet als der normale V8, könnten sie eigentlich serienmässig sein …

Serienmässig gibt es Luftfederung, und die aktiven Stabilisatoren (System EAWS) sind zentral dafür, dass dieses massige Fahrzeug in Kurven weniger stark wankt, die Linie besser hält und die Insassen bei schnellen Lastwechseln weniger durchgeschüttelt werden. Das ist nicht nur für die Fahrdynamik angenehm, sondern auch, um beim Sonntagsausflug nicht gleich den Tee über die Scones zu kippen.

Das EWAS-System nutzt Elektromotoren, um die Stabilisatoren in Kurven zu versteifen und auf Geraden zu entspannen. Es kann bis zu 1300 Nm innerhalb von 0,3 s aufbringen, um Seitenkräften entgegenzuwirken. Die Wirkung hat uns tatsächlich beeindruckt – entscheidend dafür, dass der Bentayga S im Sport-Modus Kurven mit einer Kompetenz frisst, die selbst erfahrene Fahrer so kaum erwarten würden.

Bewusst bleibt ein kleines Restmass an Wankbewegung erhalten, damit der Fahrer die Geschwindigkeit und die damit verbundenen Masseverlagerungen spürt.

Sportlicher abgestimmtes Fahrwerk

Beim Bentley Bentayga S ist die Abstimmung der Federung um 15 % straffer. Das steigert die Stabilität, ohne den Komfort übermässig zu beschneiden. Und falls es doch einmal zu ruppig wird: Mit einem der komfortableren Fahrmodi lassen sich die Knochen trotz der riesigen Räder schonen.

Auch die Stabilitätskontrolle bietet einen eigenen, «toleranteren» Sportmodus, der in Kurven ein gewisses «Heckwackeln» zulässt. Wer es besonders sportlich will, kann das System sogar komplett deaktivieren – dann aber besser nur auf trockenen, griffigen Belägen und auf breiten Strassen.

Zusätzlich hilft die Torque-Vectoring-Funktion, ein SUV dieser Grösse auf kurvigen Strecken agiler wirken zu lassen. Schade ist allerdings, dass es keine Hinterachslenkung gibt: Sie würde diesen Effekt deutlich verstärken und dem Bentayga S in der Stadt wesentlich mehr «Urban-Kompatibilität» verleihen, indem sie den Wendekreis um 1 m verkleinert.

Geeignet für Abstecher abseits der Strasse

Damit das SUV ein breites Einsatzspektrum abdecken kann, stehen acht Fahrprogramme zur Wahl – je zur Hälfte für Strasse und Gelände.

Für die Strasse sind es Komfort, Bentley (entspricht Auto), Sport und Custom (frei programmierbare Einstellungen). Offroad gibt es Schnee/Nasses Gras, Schotter, Matsch/Spurrillen sowie Sand/Wüste – damit dieser Bentley in der Stadt des Emirats Range Rover verdrängen und in der Freizeit die Dünen statt mit einem Toyota Land Cruiser bezwingen kann.

Im Kern variieren diese Programme Parameter, die das Gesamtverhalten beeinflussen: Bodenfreiheit, Gaspedalansprechen, Traktion, Lenkung und Schaltstrategie.

Mehrere Offroad-Programme bedeuten allerdings nicht, dass der Bentayga ein kompromissloser Geländewagen wäre – Bentley selbst bezeichnet ihn als Crossover mit Offroad-Fähigkeit.

Diese Beschreibung ist eher vorsichtig gewählt: Zwar begrenzen die langen Überhänge vorne und hinten Böschungs- und Rampenwinkel, doch auf dem Offroad-Abschnitt unseres Tests meisterten wir überraschend bedrohliche Hindernisse ohne jede Spur von Zögern. Und ohne Untersetzung – aber bei 770 Nm maximalem Drehmoment schon vor 2000/min fragt man sich ohnehin: Wer braucht da noch Untersetzung?

Er brüllt lauter

Der 4,0-l-V8 (unter anderem auch aus dem Lamborghini Urus bekannt) verfügt über eine Zylinderabschaltung, die bei Konstantfahrt ohne Druck auf das rechte Pedal die Hälfte der Zylinder deaktiviert.

Nur so liess sich ein Normverbrauch von 13,0 l/100 km homologieren. Allerdings wird kein galaktischer Fussballstar und auch kein Ölfeldbesitzer seinen Bentayga zurückgeben, wenn der Wert Richtung 20 l steigt – zumal es nicht diese Zahl war, die ihn zum Kauf bewogen hat.

Zahlen wie 290 km/h oder 0–100 km/h in 4,5 s sind es, die wirklich verführen (neben Image und Luxus), selbst wenn man sie in der Praxis nie ausreizt.

Mit der neuen Abgasanlage – von Bentley «inhouse» entwickelt und nicht von Akrapovič wie beim W12 Speed – wird der Klang dramatischer und lauter. Das Grollen und Brüllen wirkt deutlich einschüchternder; wer sehr früh aus der Garage fährt und die Nachbarschaft nicht wecken will, sollte sich vielleicht für die leisestmögliche Konfiguration entscheiden.

Das Automatikgetriebe arbeitet grundsätzlich extrem weich. Wenn man jedoch sehr sportlich fährt, ist es im Sport-Modus manchmal zu aggressiv: Es hält niedrige Gänge länger als nötig und löst Kick-down teils schon bei moderaten Gaspedalbewegungen aus – das stört.

Alternativ lassen sich die Schaltwippen hinter dem Lenkrad für manuelle Gangwechsel nutzen, doch auch hier gibt es Verzögerungen, wenn man mehrere Gänge nacheinander anfordert.

Bei dynamischer Fahrweise empfiehlt sich ebenfalls der Sport-Modus, sonst wirkt die Lenkung zu leicht und weniger präzise. Am anderen Ende des Spektrums – bei Reisetempo auf der Autobahn – ist die Segelfunktion zwischen dem 5. und 8. Gang aktiv: Nimmt man den Fuss vom Gas, wird automatisch in den Leerlauf ausgekuppelt.

Technische Spezifikationen

Bentley Bentayga S
Motor
Position Vorderer Längseinbau
Architektur V8
Hubraum 3996 cm³
Ventiltrieb 4 Ventile pro Zylinder (32 Ventile)
Aufladung Direkteinspritzung, Biturbo, Ladeluftkühler
Leistung 550 PS bei 6000/min
Drehmoment 770 Nm zwischen 1960–4500/min
Antrieb
Antrieb Allrad
Getriebe Automatik (Doppelkupplung) mit 8 Gängen
Fahrwerk
Federung VA: Unabhängig mit Doppelquerlenkern; HA: Unabhängig Mehrlenker; Luftfederung
Bremsen VA: innenbelüftete Scheiben (400 mm Durchmesser); HA: innenbelüftete Scheiben (380 mm Durchmesser)
Lenkung/Lenkradumdrehungen Hydraulische Unterstützung/2,3
Wendekreis 12,4 m
Abmessungen und Kapazitäten
L × B × H 5125 mm × 1998 mm × 1742 mm
Radstand 2995 mm
Reifen 285/40 R22
Masse 2416 kg
Fahrleistungen und Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit 290 km/h
0–100 km/h 4,5 s
Kombinierter Verbrauch 13,0 l/100 km
CO₂-Emissionen 294 g/km

Hinweis: Der veröffentlichte Preis ist eine Schätzung.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Kommentar hinterlassen