Der BYD Atto 2 DM-i ist klein, kann aber weit kommen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
BYD ist ein bisschen wie Sardinen: Je kleiner, desto besser. Und der BYD Atto 2 DM-i passt perfekt in dieses Bild. Bevor ich erkläre, weshalb diese Plug-in-Hybrid-Version meiner Ansicht nach die stimmigste Motorisierung für den Atto 2 ist, lohnt sich kurz die Begründung der Analogie. Denn wer mag kein ordentliches Sardinen-Grillfest…
BYD hat einige Eigenheiten. Die am wenigsten spannende (weil ohnehin allen bekannt) ist vielleicht, dass es sich um eine chinesische Marke handelt – oder dass BYD weltweit am meisten Elektrofahrzeuge verkauft.
Viel interessanter ist etwas anderes: die extrem hohe Gleichteile-Quote über die gesamte Modellpalette hinweg. Zahlreiche Komponenten, die man in einem Atto 2 oder einem Dolphin Surf findet, sind identisch mit Teilen aus Modellen wie dem Seal U, dem Han oder dem Tang – also Fahrzeugen, die preislich und vom Segment her deutlich darüber angesiedelt sind.
BYD kann sich das leisten, weil die Marke fast alles selbst fertigt und nur wenig auf externe Zulieferer angewiesen ist – ein Ansatz, der in Teilen an Toyota oder Hyundai erinnert. In vielen Fällen ist es günstiger, ein bereits vorhandenes Bauteil nochmals zu verwenden (selbst wenn es eigentlich überdimensioniert ist), als ein komplett neues Teil von Grund auf zu entwickeln.
Genau hier greift die Sardinen-Analogie: Die kleineren BYD-Modelle sind manchmal die «schmackhafteren». Spass beiseite – dieser Bericht basiert auf einem ersten Kontakt in der Stadt Barcelona.
Ich hatte zwei Versionen zur Verfügung, doch weil die Zeit knapp war, lag der Fokus klar auf dem Atto 2 DM-i, also dem Plug-in-Hybrid (PHEV). Und eine Zahl springt dabei sofort ins Auge: bis zu 90 km elektrische Reichweite.
Platz ist eine der Stärken des Atto 2
Vor rund einem Jahr bin ich den BYD Atto 2 als reines Elektroauto mit der kleineren Batterie gefahren – jene Version, die auf der Autobahn real kaum über 220 km hinauskam. Damals sind mir vor allem zwei Dinge aufgefallen: das Raumangebot und die Verarbeitungsqualität. Für diese Klasse ist beides bemerkenswert.
In der DM-i-Ausführung verschwindet in der Mittelkonsole der kristallartig wirkende Wählhebel für die Fahrstufen – der Hebel wandert an die Lenksäule. Abgesehen davon bleibt praktisch alles beim Alten, und das ist positiv. Das Platzangebot bleibt vorne wie hinten sehr gut, und die Materialien wirken klar über dem Segmentdurchschnitt.
Auch der Kofferraum trägt zum guten Gesamteindruck bei. Mit rund 425 Litern in dieser Plug-in-Hybrid-Variante verliert er im Vergleich zum reinen Elektro kaum etwas und überrascht weiterhin, wenn man die kompakten Aussenmasse des Fahrzeugs berücksichtigt. Die Raumausnutzung ist insgesamt sehr gelungen.
Technologisch ist der Atto 2 DM-i ebenfalls ordentlich ausgestattet: ein solides Infotainment, automatische Klimaanlage, verschiedene Lademöglichkeiten – per Kabel und kabellos via Induktion – und sogar beheizte sowie belüftete Sitze. In diesem Kapitel gehört er eindeutig zu den Besten im Segment.
Schade ist, dass das Aussendesign so wenig Charakter zeigt. In einer Klasse, in der Optik viel zählt, wirkt der BYD Atto 2 DM-i fast zu unauffällig. Er stösst nicht ab, überzeugt aber auch nicht auf Anhieb.
Plug-in-Hybrid, aber anders als die anderen
Technisch kombiniert der Atto 2 DM-i einen 1.5-Liter-Saugbenziner mit etwa 100 PS mit einer E-Maschine von rund 200 PS, gespeist aus einer 18-kWh-Batterie. Zusammen liegt die Systemleistung bei ungefähr 210 PS – mehr als ausreichend für ein kompaktes SUV dieser Kategorie.
Im Alltag fehlt es nie an Leistung: Die Reaktionen sind gut, das Ansprechverhalten wirkt spontan, und im normalen Einsatz fährt sich das Auto in praktisch jeder Situation souverän. Gleichzeitig fiel auf, dass der Elektromodus stärker vom Verbrenner abhängig ist, als man erwarten würde.
Sobald ich über 90 km/h lag oder etwas entschlossener beschleunigte, schaltete sich der Benziner fast sofort dazu – auch dann, wenn noch Batteriekapazität vorhanden war. Auf Nachfrage erklärten die Verantwortlichen, dass die Software zur Steuerung des DM-i-Systems vor dem Marktstart noch Updates erhalten soll.
Aktuell ergibt das ein insgesamt angenehmes Paket, allerdings eines, das die versprochenen Effizienzwerte noch nicht wirklich einlöst. Und das ist auch nicht trivial: Einen PHEV sauber abzustimmen ist alles andere als einfach. Toyota kombiniert seit über 30 Jahren Verbrenner und E-Antrieb und weiss entsprechend, dass es keine Abkürzungen gibt. Nicht einmal die berühmte „China speed“ bewirkt Wunder.
Im kombinierten Zyklus nennt BYD 1,8 l/100 km – ein optimistischer Wert, der stark davon abhängt, wie konsequent geladen wird. Auf der offenen Strasse war klar spürbar, dass die Systemkalibrierung noch Potenzial nach oben hat.
Wichtigstes Argument? Der Preis
Hier kommen die erfreulichsten Punkte. In Portugal ist die Wahl beim BYD Atto 2 DM-i simpel: Es gibt nur eine einzige Variante – die Topausstattung. Der Preis liegt bei 33 990 Euro, exakt das, was MG für den HS PHEV verlangt.
Ist das schlüssiger als die Elektroversion? Das hängt stark vom Nutzungsprofil ab. Ich bin auch den elektrischen Atto 2 mit der neuen 64,8-kWh-Batterie gefahren, die bis zu 430 km Reichweite (WLTP) in Aussicht stellt. Diese Version wirkt deutlich attraktiver, insbesondere für Firmen, weil Elektrofahrzeuge von steuerlichen Vorteilen profitieren.
Trotzdem: Mit den angekündigten 90 km elektrischer Reichweite wirkt der DM-i wie eine sehr ausgewogene Lösung für alle, die ein kompaktes SUV suchen, das fast alles abdeckt, ohne vollständig auf Ladeinfrastruktur angewiesen zu sein. Ich weiss – er sieht klein aus, aber… setzt euch einmal hinein.
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